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Großglockner 3.798 m

Aufstieg über Stüdlhütte zur Adlersruh

Dienstag, 31. Juli 2001

An diesem Tag brachen wir rechtzeitig in Matrei/Osttirol auf, um genügend Zeit für den Aufstieg zu haben. Wir fuhren zunächst nach Kals und weiter die Mautstraße zum Lucknerhaus (1.920 m). Wir starteten um 9.15 Uhr am Lucknerhaus. Um 14.00 Uhr sollten wir uns mit unseren Bergführer in der 900 m höher gelegenen Stüdlhütte treffen. Wir hatten also genügend Zeit für den ersten Aufstieg. Der Weg führte zunächst zur 2.200 m hoch gelegenen Lucknerhütte. Den Weg bewältigten wir in 50 Minuten. An der sehr schön ausgestatteten Hütte rasteten wir das erste Mal. Wir zogen einen schattigen Platz hinter der Hütte vor, denn die Sonne meinte es wieder sehr gut mit uns. Der Wettermann meldete wieder weit über 30 °C. Zum Glück war es hier oben nicht ganz so heiß. Noch 600 Höhenmeter waren es bis zur Stüdlhütte. Wir hatten uns vorgenommen etwa aller 200 gestiegenen Höhenmetern eine kurze Pause zu machen. Wichtig ist es auch bei diesen Temperaturen vor allem regelmäßig zu trinken. In 2.400 m Höhe konnten wir einige Murmeltiere beobachten. Sie ließen uns auch noch genügend Zeit um eine kurze Filmaufnahme zu drehen. Der Weg wurde vor der Stüdlhütte immer steiler. Er schlängelte sich in kleinen Serpentinen durch das schwarzgraue Schiefergestein. Teilweise mussten wir auch einige Schneefelder überwinden. Gegen 12 Uhr erreichten wir die Stüdlhütte - ein moderner Bau mit Solartechnik, der sich von den anderen Hütten im Nationalpark Hohen Tauern deutlich unterscheidet. Dort oben herrschte ein reges Treiben von Bergsteigern und Wanderern, die teils im Abstieg vom Großglockner begriffen waren oder wie wir auf die Bergführer warteten. Wir nutzten die Zeit bis 14.00 Uhr um etwas zu essen, die Wasserreserven aufzufüllen und noch etwas auszuruhen. Der Wirt der Stüdlhütte sagte uns, dass unser Bergführer noch unterwegs ist. Kurz nach 14.00 Uhr trafen wir ihn dann gemeinsam mit den anderen Bergsteigern unserer Gruppe. Wir stellten uns gegenseitig kurz vor. Peter Templer hieß unser Bergführer. Er war im Hauptberuf Lehrer an der TU in Lienz. In den Sommermonaten nutzte er die Semesterferien für Führungen zu den verschiedensten Gipfeln. Er sagte uns, dass er bereits 280 mal auf dem Großglockner war. Das beruhigte uns natürlich. Unsere beiden Mitstreiter waren Jürgen aus Hagen (Westfalen) und Gerhard aus Niederösterreich. Jürgen war in Prägraten zu Gast. Seine Frau traute sich das Unternehmen nicht zu und blieb in der Pension zurück. Gerhard war am selben Tag erst angereist und wollte das Wetter ausnutzen. 14.15 Uhr stiegen wir in die Gurte und gingen noch ohne Seil in Richtung Ködnitzkees. Der alte Weg über die Schere war aufgrund des Gletscherrückgangs nicht ungefährlich und wird deshalb nicht mehr begangen. In etwa 3.000 m Höhe beim Eintritt in den Gletscher seilten wir uns aus Sicherheitsgründen an. Auch wenn es oftmals nicht so aussieht, können Gefahren durch Gletscherspalten überall lauern. Der Schnee war weich und der Weg war anfangs noch relativ flach zu begehen. Später wurde es immer steiler. In etwa 3.250 m Höhe ging der Gletscherweg in einen anspruchsvollen Klettersteig über. Die verbleibenden 200 Höhenmeter bis zur Adlersruh - unseren Quartier in genau 3.454 m Höhe - verlangten die letzten Kraftreserven von uns ab. Teilweise war der Klettersteig mit Stahlseilen gesichert. Das Schiefergestein war aufgrund des trockenen Wetters sehr griffig. Der Anstieg verlief über einen Grat, der auf der rechten Seite einige hundert Meter in den Pinzgau hinunter führte. Gegen 17.00 Uhr erreichten wir die Adlersruh. Der Großglockner war nun fast zum Greifen nah. Die Adlersruh wurde schon im Jahre 1867 errichtet und ständig erweitert. Gegenwärtig waren wieder Sanierungsarbeiten im Gange. Von hier oben hatten wir bei wolkenlosem Himmel eine super Sicht. Wir konnten die Dolomiten, den Großvenediger, die Großglockner-Hochalpenstraße und vieles mehr sehen. Nach der Ankunft bezogen wir auch gleich unser Bergsteigerlager. Matratzenlager Nr. 11 und 12 im Lager 1 wurde uns zugewiesen. Auf der Hütte gab es kein Wasser. Das Wasser für die Küche wurde in Kanistern über eine Materialseilbahn aus dem Tal heraufgefahren. Die Küche betrieb der Bruder unseres Bergführers. Er beschäftigte vor allem Nepalesen, die sich in dieser Höhe sichtlich wohl fühlten. Nachdem wir uns etwas gestärkt hatten, sonnten wir uns auf dem Plateau vor der Hütte. Es waren immerhin noch +10 °C. Unser Bergführer passte noch an diesen Abend die Steigeisen unseren Schuhen an. Bei einem Radler bei Gaslicht beendeten wir den anstrengenden aber wunderschönen Tag.