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Rennsteigradweg

1. Etappe von Hörschel zur Schmücke

Freitag, 22. Juni 2007

Die lange geplante Rennsteigtour startete ich am 22. Juni 2007 nach einer 3-stündigen Bahnfahrt gegen 8.30 Uhr in Hörschel. Ich radelte zunächst vom Bahnhof zum offiziellen Rennsteigstart an die Werra. Es soll ja Glück bringen, wenn man einen Stein aus der Werra bis zur Saale mit sich führt. Nach ein paar Startfotos ging es los. 195 km und 3.500 Höhenmeter lagen laut Radführer vor mir.

Der Weg führte zunächst an der kleinen Kirche vorbei nach Neuenhof. Von dort aus ging es ständig bergauf, vorbei an einigen Rapsfeldern und kleineren und größeren Waldstücken. Ich konnte hier einige schöne Ausblicke ins Werratal genießen. Ich musste mich anfangs erst noch etwas an die Belastung gewöhnen, aber meine Kondition war gut und ich fühlte mich top fit. Mit kleinen Gängen radelte ich mich für die kommenden Berge warm.

Das Wetter war sehr freundlich, dennoch blickte ich misstrauisch gen Himmel. Der Wettermann hatte für den Nachmittag Gewitter gemeldet. Auf den weiteren Weg eröffneten sich aus dem Buchenwald herrliche Blicke zum Nationalpark Hainich und zur Wartburg. Der Boden war nach den heftigen Regenfällen der Vortage noch sehr aufgeweicht und dementsprechend rutschig. Es war also Vorsicht geboten. Ich passierte den idyllisch gelegenen Ort Clausberg an einem hübschen Haflingergestüt und erreichte gegen 10.00 Uhr die „Hohe Sonne“. Das Gebäude stand bestimmt schon viele Jahre leer. Für den hungrigen Magen sorgte jetzt eine Grillbaude.

Ich fuhr nun stets ansteigend weiter Richtung Inselsberg. Mein nächstes größeres Ziel war der Dreiherrnstein. Die Gaststätte kannte ich noch aus Zeiten, als ich im Kindesalter mit meinen Eltern mehrfach die Ferien im nahegelegenen Brotterode verbrachte. Die Gaststätte war damals schon ein beliebtes Wanderziel. Ich bestellte mir eine Bratwurst mit Kartoffelsalat und genoss die gemütliche naturnahe Atmosphäre, an der sich seit vielen Jahren nichts oder nur wenig geändert hatte. Und ich fand das gut so.

Meine Tour führte nun weiter zum Großen Inselsberg, den der Radführer aus mir unverständlichen Gründen ausgespart hatte. Sicherlich ist der Weg auf dem Teilstück etwas mühsamer als auf der Umgehungsroute, aber dafür genießt man wunderschöne Ausblicke. Auf dem Weg dorthin begegnete ich einen Mountainbiker aus NRW, der dasselbe Ziel hatte, aber die Tour etwas langsamer anging. Wir wünschten uns viel Glück und trafen uns alsbald beim Fotografieren am Oberen Beerberg wieder. Die Aussicht war sehr gut und das satte frische grün der Wälder tat richtig gut. In dieser Gegend war bedeutend mehr Nadelholz anzutreffen, als in dem Abschnitt zur Hohen Sonne.

Der Anstieg zum Inselsberg war sehr rutschig, so dass ich das Rad lieber ab und zu schob. Am Inselsberg angekommen, zogen nun die ersten dunklen Wolken auf. Mit Blick auf den Ort Brotterode konnte ich bereits Regenschauer erkennen. Ich genoss hier oben dennoch die schönen Ausblicke und machte mich bald auf den Weg zum Kleinen Inselsberg, wo ich wieder auf den Radweg traf. Am Heuberghaus bemerkte ich nun die ersten Regentropfen. Hinter dem Spießberg verfuhr ich mich ziemlich gewaltig. Die Wegweiser zur Ebertswiese, meiner nächsten angepeilten Station, zeigten immer größere Entfernungen an. Ich war bestimmt ein Opfer von Souvenirjägern, die wieder mal an markanten Stellen die Schilder entfernten. Zudem zog noch ein Gewitter auf.

Ich schaffte es mit schneller Fahrt gerade noch bis an die Schutzhütte beim „Dreiherrenstein am Hangweg“. Es war sowieso Zeit für eine ausgiebige Rast. Der Regen prasselte derweil auf das Dach. Ich setzte die Fahrt nach ca. ½ Stunde bei nachlassenden Regen fort und erreichte wenig später die Ebertswiese und über die Alte und Neue Ausspanne das Nesselberghaus. Die Regenpausen wurden leider immer kürzer. Es wurde auch dementsprechend dunkel.

Der Radweg verlief nun die nächsten 20 km nach Oberhof überwiegend auf Asphalt. Ich war insgesamt sehr erstaunt, was hier in den letzten Jahren in den Wegebau investiert wurde. Dies hatte ich nicht vermutet. Immer leicht ansteigend inmitten hoher Fichtenwälder bewegte ich mich auf einer Höhe von 700-800 Metern. Es war zwar ein schöner Streckenabschnitt, aber die Monotonie ermüdete mich etwas. Ich war froh als ich an einigen munter plätschernden Quellen vorbei kam, an den ich mich wunderbar erfrischen konnte.

Am Grenzadler Oberhof betrachtete ich mir die Rennsteig-Arena mit der Biathlonanlage und der Rennschlittenbahn. Auf dem Weg zum Rondell wurde der Regen wieder zunehmend stärker. In Richtung Schmücke nutzte ich wieder den Original-Rennsteig, da ich nicht auf der Straße sondern zum Großen Beerberg, den „Höchsten in Thüringen“ fahren wollte. Mittlerweile zog zu dem Regen noch dichter Nebel auf, so dass ich am Beerberg leider keine Sicht hatte. Die letzten Kilometer bis zur Schmücke legte ich vorsichtig auf grobschottrigen und rutschigen Gelände zurück.

Gegen 18.30 Uhr traf ich in dem Waldhotel ein. Die Wirtin begrüßte mich freundlich und schloss mein Rad in der Garage ein. 92 km zeigte mein Tacho am heutigen Tag. Das Höhenprofil werde ich zuhause auswerten. Nach dem Duschen verputzte ich eine riesige Portion Kesselgoulasch und Spaghetti Boulonese. Kohlenhydrate werde ich für meine Tour am Sonnabend bestimmt brauchen, denn es wird nicht viel einfacher und 20 km länger.