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Ilmtalradweg

Lange Tagestour zum Reformationstag

Samstag, 31. Oktober 2009

Zum Radsaisonausklang starte ich heute auf den Ilmtalradweg. Laut Beschreibung der Touristeninformation ist die Strecke 125 km lang. Mit der Anfahrt zum Startpunkt sind es wohl heute knapp 150 km. Eine anspruchsvolle 1Tages-Unternehmung, die auf mich wartet.

Ich komme am frühen Morgen um 5:56 Uhr in Großheringen an und parke mein Auto auf dem großen gebührenfreien Parkplatz direkt am Bahnhof. Großheringen ist das heutige Ziel, dass ich hoffentlich am späten Nachmittag vor Einbruch der Dunkelheit wieder erreichen werde. 5:13 Uhr fährt der Zug nach Erfurt und nach einer Dreiviertelstunde Aufenthalt geht es weiter nach Gehlberg. Der Ort Gehlberg liegt etwa 600 Meter hoch.

Zu Beginn sind also erst einmal reichlich 300 Höhenmeter bis zum Rennsteig zu überwinden. Das Startfoto übernimmt der Selbstauslöser am Bahnhof. Es ist sehr kalt. Das Thermometer zeigt -4 °C. Zur Aufwärmung ist also der Anstieg zur Schmücke genau das Richtige. Der Ort liegt verschlafen in der Morgendämmerung Es ist kurz nach halb acht und die Felder und Wiesen sind mit Rauhreif bedeckt. Die Straße ist relativ glatt. Das Eis glitzert in der Morgensonne. Am Wegesrand signalisieren Höhenschilder „600, 700, 800, 900 Meter“ mein Vorwärts-kommen. Ich bin gut drauf und erreiche nach 7 Kilometern und einer Fahrzeit von 40 Minuten den höchsten Punkt des heutigen Tages.

916 Meter liegt das altehrwürdige Gasthaus am Rennsteig. Ich folge nun weiter den Rennsteig in Richtung Allzunah. Unterwegs begegne ich vielen Jägern, die sich den heutigen Tag zur Treibjagd auserkoren hatten. Nach weiteren 10 Kilometern entlang des Rennsteigs auf mehr oder weniger glatter Straße erreiche ich kurz vor 9:00 Uhr das Dörfchen Allzunah.

Hier beginnt offiziell der Ilmtalradweg. Es ist hier oben eine herrliche Atmosphäre inmitten der fast winterlichen Landschaft. Es ist wohl der letzte Tag, an dem diese Tour überhaupt möglich ist. Nach 18 Kilometern Anfahrt stehen mir nun 125 km Radweg bevor. Es geht zu Beginn relativ steil bergab in Richtung Stützerbach. Links neben mir plätschert die Ilm, die hier noch ein winziges Bächlein ist. Eine offizielle Quelle gibt es nicht, deshalb wird der Rennsteig als Quellgebiet bezeichnet. Der eiskalte Fahrtwind ist zu Beginn ziemlich unangenehm. Trotz Handschuhe, Mütze und warmer Kleidung ist es ziemlich frisch. Die Natur ist allerdings durch die herrliche Herbstfärbung wunderschön anzuschauen. Ohne größere Anstrengungen passiere ich talwärts den Ort Manebach und den Carl-Alexander-Brunnen. Durch schöne Waldwege erreiche ich relativ schnell die Kreisstadt Ilmenau. Die sehr gute Beschilderung lässt mich die Stadt schnell und sicher durchqueren. Es schließt sich ein Gewerbegebiet an und gleich darauf erreiche ich den Ort Langenwiesen. Das erste 22 km lange Teilstück des Radweges ist somit absolviert.

Ich durchquere einen riesigen Brückenneubau, der für eine Ortsumgehung von Ilmenau geplant ist. Auf dem weiteren Weg komme ich an den hübschen Ort Gräfinau-Angstedt mit einer markanten Kirche vorbei. Kurz vor Dörrnfeld sehe ich zwei ehemalige Salinenbohrtürme. Diese großen sehenswerten Holzbauten waren im 19. Jahrhundert für die Salzproduktion zuständig. Es ist mittlerweile 11 Uhr. Mehrere Umleitungen aufgrund von Bauarbeiten in Stadtilm lassen mir leider keine Zeit für einen Blick in die Innenstadt. Es ist nun endlich etwas wärmer geworden. Die Sonne erwärmt das Land bis auf 10 Grad.

Jetzt ist es höchste Zeit für eine Rast. Zuvor mache ich aber einen Abstecher in die historische Senfmühle Kleinhettstedt. Das alte Fachwerkensemble ist sehr schön hergerichtet und lädt viele Besucher zur Besichtigung ein. Dafür habe ich heute aufgrund meines straffen Programms keine Zeit. Ich kaufe aber dort zwei Gläser steingemahlenen Senf aus eigener Produktion. Hinter Kleinhettstedt mache ich Rast unter einer großen mehr hundertjährigen Linde. Beim Blick auf die Karte stehen mir noch etwa 80 Kilometer bevor. Es wird etwas knapp, da es bereits gegen 17 Uhr dunkel wird. Ich nehme es aber gelassen und fahre weiter durch das weitläufige Ilmtal, dass immer wieder durch die herrliche Farbenpracht des Herbstwaldes besticht.

Der Weg führt fast ausschließlich über Radwege und ruhigen Landstraßen über Kranichfeld, Tannroda bis nach Bad Berka. Kurz vor Bad Berka verfahre ich mich etwas. Ich merke es aber rechtzeitig, da der Weg plötzlich stets bergauf durch ein Waldstück verläuft. Ein paar Wanderer schicken mich dann wieder zurück. Ich habe einfach ein Hinweisschild übersehen. Den beschaulichen Kurort verlasse ich meist auf Nebenstraßen und Parkanlagen. Nach einer weiteren Rast am Ortsrand eröffnet sich eine wunderschöne Landschaft. Ich radele meist durch buntgefärbte Wälder immer entlang der Ilm. Es sind herrliche Anblicke, die ich ab und zu fotografisch festhalte.

Kurz vor Mellingen durchquere ich die Autobahn A4 und fahre durch einen großen Glasscherbenhaufen. Hoffentlich haben das meine Reifen ausgehalten. Ich passiere den Feininger Turm und radle durch die Ilmaue bis nach Weimar. Hier sind jetzt viele Spaziergänger und Fahrradfahrer unterwegs. Es ist jetzt auch recht angenehm warm geworden. Die Klassikerstadt durchfahre ich fast nur durch Parkanlagen. Genauso verhält es sich In Tiefurt. Entlang des Maria-Pawlowna-Panoramaweges und ständigen klingeln erreiche ich eine kleine Raststelle mit Blick auf Schloß Kromsdorf. Jetzt tanke ich nochmal Energietrunk und Obst auf.

Der Fahrradcomputer zeigt 112 km an. Bis zur Ilmmündung in die Saale sind es noch rund 30 km. Die Kraftreserven sind langsam verbraucht. Deshalb fallen mir auch die Anstiege, die das hügelige Gelände jetzt mit sich bringt manchmal etwas schwer. Besonders der Anstieg von Niederroßla nach Zottelstedt nervt mich etwas. Ich schaue deshalb auf die Karte, ob dies auch der richtige Weg ist. Er ist es. Die Stadt Apolda bleibt rechts liegen.

Jetzt freue ich mich auf eine Schussfahrt hinab zur Poche, einem Gasthaus direkt an der B87. Ich überquere die Straße und komme auf einen völlig neu angelegten Radweg. Dieser ist sogar noch abgesperrt, aber dennoch bereits passierbar. Bei einer letzten rast kurz vor Eberstedt bin ich optimistisch, mein Ziel vor dem Einbruch der Dunkelheit zu schaffen. Ich passiere die sehenswerte Ölmühle in Eberstedt mit den schwimmenden Hütten und wenig später erreiche ich die Kurstadt Bad Sulza. Ich fahre entspannt durch die Kuranlagen bis zum Gradierwerk.

Jetzt sind es nur noch wenige Kilometer auf wiederum gut ausgebauten Radweg bis zur Ilmmündung in Großheringen. Hier werden die Radler ganz besonders freundlich begrüßt. Liebevoll gefertigte Strohmännchen weisen hier den ankommenden oder startenden Radfahrern die Ehre. Ich erreiche 17:41 Uhr mein Tagesziel. Flusshochzeit heißt das neue Symbol zur Verschmelzung von Ilm und Saale. 144 km zeigt der Fahrradcomputer. Es war recht anspruchsvoll, diese Tour an einem Tag zu absolvieren. Das nächste Mal nehme ich mir sicherlich mehr Zeit. Wiederkommen lohnt sich auf jedem Fall.

Weitere Infos: www.ilmtal-radwanderweg.de