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Gipfelsieg auf der Ruderhofspitze und Abstieg

Donnerstag, 9. August 2006

Nach einer recht unruhigen Nacht auf der Hütte ging es um 6.00 Uhr ans Frühstücksbuffet. In der frühen Morgenstunde schmeckte es trotz des reichhaltigen Angebots nicht so recht.
Kurz nach halb 7 brachen wir auf. Unser Bergführer Paul verteilte zuvor noch die Gurte und Steigeisen. Er sagte, dass wir mit etwa 5 Stunden Aufstieg rechnen müssen. Wir gingen in der Morgendämmerung zunächst ziemlich zügig entlang des Alpeinerbaches in Richtung Höllenrachen.
Das Wetter war sehr neblig und es machte nicht unbedingt den Eindruck als würden wir heute noch die Sonne sehen. Den Weg kannte ich schon von dem Abendspaziergang tags zuvor. Er verlief weitestgehend flach vorbei an einigen Rindern bis auf eine Höhe von 2.300 m.
Nun folgte ein etwas steilerer Abschnitt, der teilweise über Felsblöcke führte. An einer Markierung konnten wir uns nun zwischen dem alten oder dem neuen Weg entscheiden. Paul sagte, dass in letzter Zeit nur noch der neue Weg über den Gletscher gegangen wird. Kurz vor dem Gletscher konnten wir einige Steinböcke weit oberhalb des Weges auf einem Fels beobachten.
Die Ausläufer des Gletschers erinnerten mich an ein Flussdelta, da sich dort die Wassermassen in zahlreichen Rinnsalen ihren Weg bahnten. Am Fuße des Gletschers ließen wir die Steigeisen zurück. Paul meinte, dass wir sie aufgrund des vielen Neuschnees nicht benötigen würden.
Die Ausläufer des Alpeinerferners gestalteten sich dennoch als sehr glatt und steil. Der wenige kristallierte Schnee gab aber in Verbindung mit den Teleskopstöcken den nötigen Halt. Auf einer Höhe von 2.800 m gurteten wir uns an die Seile, denn hier begann ein ziemlich spaltenreiches Gebiet. Der Schnee wurde nun zunehmend tiefer. 30-40 cm Neuschnee waren die letzten Tage gefallen. Paul zeigte uns halblinks die Sommerwandspitze, die die anderen 6 Tautenhainer Bergsteiger gerade besteigen.
Der Gletscher wurde nun extrem steil. Paul ging dennoch mit einem hohen Tempo, dem wir aber gut folgen konnten. Essen und Trinken wurde während des Gehens verzehrt, denn eine Rast auf dem Gletscher birgt immer ein paar Gefahren in sich. Auf etwa 3.000 m Höhe wurde der Weg nun etwas flacher. Ich rutschte auf dieser Passage mehrfach in einige kleiner Gletscherspalten teilweise bis zur Hüfte. Am Seil kann da aber relativ wenig passieren. Bei jedem Schritt versanken wir oftmals bis zum Knien in den Schnee, was das Vorwärtskommen natürlich beträchtlich erschwerte.
Unser Tagesziel, die Ruderhofspitze konnten wir noch nicht erkennen. Die Sonne kam nun ab und zu zum Vorschein. Linkerhand bot sich in einem herrlichen Panoramablick die Westliche Seespitze und vor uns die Schwarzenbergspitzen.
Nach einem weiteren steilen Gletscheranstieg erreichten wir den Gipfelgrat der Ruderhofspitze.
Kurz zuvor sahen wir erstmals unseren Gipfel. Beim Einstieg in den ca. 600 - 700 m langen Gipfelgrat auf 3.200 m Höhe lösten wir die Seilschaft.
Paul stieg voran und stieß mit den Bergschuhen bzw. mit dem Eispickel Stufen in den Schnee. Das Vorankommen war sehr mühsam. Olaf musste zudem nochmals zurück bis zum Grateinstieg, da er dort seine Sonnenbrille vergessen hatte. Es waren aber glücklicherweise nur maximal 50 Höhenmeter umsonst, aber ohne Sonnenbrille ist man hier oben verloren.
Rechts und links des Grates taten sich tiefe Abgründe auf. Es ist besser, man schaut gar nicht erst nach unten und konzentriert sich auf den Grat, der nicht seilgesichert war. Paul nahm uns unsere kleinen Ängste und sagte, dass ein Absturz nur im tiefen Schnee landen würde. Der Schneehöhe war hier teilweise über 1 m.
Kurz vor dem Gipfelkreuz verlief der Grat so steil, dass wir nur auf allen Vieren vorwärts kamen.
Um genau 11.30 Uhr standen wir oben am Gipfel und beglückwünschten uns mit „Berg Heil“. Die 5-stündige Kalkulation der Tour hatte genau gestimmt. Bei normalen Verhältnissen wären wir mindestens 1 Stunde schneller gewesen. Die Sicht war aufgrund der nebligen und wolkigen Wetterverhältnisse ziemlich eingeschränkt. Wir konnten gerade mal den Gipfelgrat und teilweise den Alpeinerferner erkennen. Nach dem obligatorischen Gipfelbucheintrag und ein paar Fotos begannen wir mit dem Abstieg.
Der Weg nach unten war am Grat teilweise recht heikel, aber wir meisterten diese Passagen ziemlich gut. Der Schnee in der Mittagssonne wurde nun zunehmend weicher, so dass in unseren Bergschuhen immer mehr Wasser eindrang. Die Gamaschen hatten wir dummerweise in der Pension vergessen. Bei jedem Schritt platschte es in den Schuhen, was mir aber als angenehme Erfrischung vorkam.
Plötzlich zog dichter Nebel auf und ich konnte gerade noch meine Weggefährten vor mir in der Seilschaft erkennen. Die Fußspuren des Aufstiegs waren auch schon teilweise verweht, so dass Paul sein GPS-Gerät ab und zu befragen musste. Mir kam es wie auf den Nordpol vor. Ringsum war alles weiß. Ohne starke Sonnenbrille würde man hier bestimmt schneeblind.
Auf der gesamten Tour haben wir keine weitere Seilschaft getroffen. Es ist wohl ein ziemlich einsamer Berg, den wir bestiegen hatten. Paul sagte uns, dass diese wunderschöne Tour aufgrund der Länge und der damit verbundenen Anstrengungen leider kaum begangen wird. Das extreme Wetter hielt darüber hinaus noch einige von der Besteigung ab. Beim letzten steilen Abstieg bis zum Ende des Gletschers bewegten wir uns mehr rutschend als gehend voran. Während dessen sah ich noch eine Gletschermühle, die faszinierende Gebilde in das Eis schnitt.
Wir waren nun froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Die Schuhe waren völlig durchnässt. Nach einer kurzen Rast nahmen wir unsere Steigeisen wieder auf und liefen schnellen Schrittes in Richtung Franz-Senn-Hütte. Mittlerweile setzte wieder Regen ein, der uns glücklicherweise während der Tour verschont hatte.
Kurz nach 15.00 Uhr trafen wir in der Hütte ein. Wir feierten unseren Gipfelsieg mit ein paar Bierchen und wunderten uns, dass die andere Seilschaft von der Sommerwandspitze noch nicht zurück war. Wir wollten gerade zum Abstieg zur Oberissalm aufbrechen, da sahen wir die anderen 6 Tautenhainer Bergsteiger vom Berg absteigen. Unten angekommen, beglückwünschten wir die Sommerwandspitzler und feierten nochmals gemeinsam in der Hütte die Gipfelsiege.
Der noch zu bewältigende Abstieg zur Oberissalm verlief leider meist im Regen. Kurz nach 18.00 Uhr trafen wir im Brunnenhof ein und begossen die erstürmten Berge mit einem Marillenschnaps. Der von unserem Pensionswirt Hansi inszenierte Grillabend mit einem reichlichen Angebot an Rippchen, Steaks, Rostern, etc. gab die nötige Kraft für die nächsten Touren.
Die begehrte Urkunde wurde uns am Freitag im Bergbüro überreicht.