Bergsteigen > Großer Geiger 3.360 m > Großer Geiger 3.360 m

Gipfelsieg

Freitag, 23. August 2002

Die Nacht in dem Bergsteigerlager war wie befürchtet ziemlich unruhig. 4.30 Uhr klingelte der Wecker an meiner Armbanduhr. Um 5.00 Uhr nahmen wir ein karges Frühstück (Marmeladenbrot mit Kaffee) ein.
5.30 Uhr begann unsere Tour in der Morgendämmerung. Unsere Augen gewöhnten sich ziemlich schnell an die Dunkelheit, so dass wir unsere Stirnlampen nicht unbedingt benötigten. Rund 1.200 Höhenmeter waren heute zu bewältigen. Der Weg verlief anfangs recht flach durch das weitere Maurertal. Nach etwa einer Stunde verlor sich die Wegmarkierung. Zur Orientierung hatten Bergsteiger kleine Kieselsteine auf verschiedene Felsblöcke gestreut. Eine Vegetation war in dieser Höhe kaum noch gegeben. Lediglich einige Schneerosen konnten wir zwischen den Felsen bewundern. Die Steine waren an diesem Morgen sehr vereist, so dass bereits in diesem Aufstiegsbereich höchste Vorsicht geboten war. Der Anstieg wurde nun zunehmend steiler. Es waren schier unendlich viele Felsblöcke zu überwinden. Der Gletscher unter uns rumorte und polterte, so dass es uns manchmal etwas mulmig wurde. Teilweise mussten wir stark vereiste Schneefelder überqueren.
Nach etwa 3 Stunden verließen wir die Steinwüste und stiegen in den Maurerkees. Wir legten Seil und Steigeisen an und nahmen den direkten und steilsten Aufstieg zum Großen Geiger. Es war ein sehr spaltenreiches Gelände. Unsere Bergführerin Lisi hatte dabei ein gutes Gespür für Gletscherspalten. Wir hätten diese Spalten wohl ohne sie nicht immer bemerkt. Claudia rutschte trotz aller Vorsicht in drei kleinere Spalten. Durch das Seil war jedoch genügend Sicherheit gegeben, so dass keine Gefahr bestand.
Der Aufstieg wurde mit fast jedem Höhenmeter steiler. Die letzten 200 Höhenmeter waren wohl die anstrengensten. Wir vermuteten eine Steigung von weit mehr als 60 Prozent. Rudi aus Wien hatte dazu noch Probleme mit seinen etwas betagten Steigeisen. Ständig löste sich ein Halteriemen. Schliesslich legte er sie ab und stieg in unsere Spuren und stützte sich auf seinen Eispickel. Nach 5 Stunden erreichten wir um genau 10.35 Uhr den Gipfel in 3.360 m.
Zu unserer Verwunderung hatte der Große Geiger kein Gipfelkreuz. Dort oben war lediglich ein Metallkästchen mit einem Gipfelbuch installiert. Natürlich trugen wir unsere Namen in das Gipfelbuch ein. Uns fiel auf, dass relativ wenig Bergsteiger diesen wunderschönen aber auch anspruchsvollen Berg begehen. Die letzte Eintragung war bereits mehrere Tage alt. Auf den Weg dorthin sind wir auch keiner weiteren Seilschaft begegnet. Natürlich durfte dort oben die übliche Gipfelzeremonie mit Fotos und Schnapserl nicht fehlen. Wir genossen die herrliche Aussicht zum Venediger. Dort konnte man einige Seilschaften beobachten, die im Begriff waren, diesen Berg zu erklimmen. Natürlich konnten wir noch zahllose andere nahe und ferne Berge aufgrund des herrlichen Wetters in Augenschein nehmen. Lediglich der westliche Teil (Simonyspitzen, Dreiherrenspitze, Rötspitze) verhüllte sich in Wolken.
Zum Abstieg nahmen wir eine leicht veränderte Route. Diese führte allerdings über weitaus mehr Gletscherspalten als beim Aufstieg. Im unteren Teil des Maurerkees wurde dies besonders kritisch. Es war also wieder höchste Vorsicht geboten. Am gegenüberliegenden Simonykees konnten wir in gewissen Abständen donnernde Eislawinen beobachten. Wir begegneten noch einer kleinen Gruppe, die ohne Seil und Steigeisen versuchte, den Gipfel zu bezwingen. Dazu konnten wir nur verständnislos den Kopf schütteln.
Beim Verlassen des Maurerkees verschnauften wir kurz bevor wir den langen Abstieg über die Felsblöcke antraten. Die etwa 500 Höhenmeter über die Felsen kamen uns endlos lang vor. Es war bei jeden Schritt höchste Konzentration gefordert, damit sich niemand verletzt.
Um 14.30 Uhr erreichten wir glücklicherweise gesund und ziemlich erschöpft die Essen-Rostocker-Hütte.
Die noch verbleibenden 800 Höhenmeter Abstieg nach Ströden streckten sich nochmals mächtig. 17.30 Uhr beendeten wir unsere "Geiger-Tour".
Nachdem wir im Bergführerbüro in Matrei unsere Urkunde in Empfang nahmen feierten wir am Abend schon fast traditionsgemäß im Strumerhof den Gipfelsieg.