Bergsteigen > Großglockner 3.798 m > Großglockner 3.798 m

Gipfelsieg

Mittwoch, 1. August 2001

Die Nacht in dem Bergsteigerlager war erwartungsgemäß sehr unruhig. Schlafen konnten wir kaum. Um 4.30 Uhr standen wir auf und suchten unter Taschenlampenlicht unsere Sachen zusammen. Für den Aufstieg benötigten wir nicht viel. Deshalb packten wir nur den kleinen Rucksack mit den notwendigsten Sachen. Den großen Rucksack ließen wir in der Adlersruh zurück. Wir frühstückten um 5.30 Uhr bei Marmeladenbrot und Kaffee und brachen 15 Minuten später in der Morgendämmerung auf. Es war zu Beginn etwas ungewohnt mit den Steigeisen zu gehen. Der Schnee war sehr fest und teilweise vereist. Ohne Steigeisen wäre ein Aufstieg wohl nicht möglich gewesen. Etwa 350 Höhenmeter waren bis zum Gipfel zu bewältigen, wobei die größten Schwierigkeiten am Kleinen Glockner zu erwarten waren. Die ersten Höhenmeter gingen wir angeseilt mit Steigeisen über den Gletscher. Es war ein steiler Anstieg, der aber gut begehbar war. Am Klettersteig am Kleinen Glockner ließen wir die Teleskopstöcke und die Steigeisen zurück, da diese Ausrüstung uns beim Klettern behindert hätte. Die ersten Meter ähnelten dem Klettersteig zur Adlersruh. Dann wurde der Grat immer schmaler und war teilweise stark vereist. Rechts und links fiel der Fels etwa 500 Meter ab. Da war höchste Konzentration gefordert. Nach dem Kleinen Glockner ging der Klettersteig wieder einige Meter nach unten, bevor er nach der Scharte wieder nach oben zum Gipfel führt. Dieser Abschnitt ist der gefürchtetste bei der gesamten Besteigung. Ein Stahlseil gibt zwar etwas Halt. Es hört aber an der kritischsten Stelle plötzlich auf, so das ca. 5 Meter wie auf einem Drahtseil zurückzulegen sind. Peter hat uns allerdings auf der gegenüberliegenden Seite bereits mit Karabinerhaken gesichert, so dass die Gefahr eines Absturzes kaum gegeben war. Einige schwierige Situationen mussten wir noch meistern, als uns auf den letzten Metern eine Bergsteigergruppe entgegen kam und wir auf den ohnehin schmalen Grat noch ausweichen mussten. Um 7.15 Uhr war es geschafft. Berg Heil - heißt der Ausruf. Wir sind auf den höchsten Berg Österreichs. Wir schauen uns etwas ängstlich um. Viel Platz ist dort oben nicht. 4 bis 5 Personen können sich gerade mal für ein Foto am Gipfelkreuz positionieren. Peter nimmt das Fotografieren und Filmen in die Hand. Natürlich darf ein Gipfelschnaps nicht fehlen. Claudia verweigert dieses wunderbare Getränk. Sie denkt schon an den Abstieg, der sicher nicht viel leichter sein wird. Da wir beim Aufstieg kaum Fotos machen konnten, bot uns Peter an, den Abstieg fotografisch festzuhalten. Das Angebot nahmen wir natürlich dankend an. Wir genossen noch einige Augenblicke die Aussicht über den Wolken und begannen dann langsam mit dem Abstieg. Dieser verlief besser als wir beim Aufstieg geglaubt hatten. Natürlich waren wieder einige brenzlige Situationen zu meistern. Die vereiste Scharte und der Weg zum Kleinen Glockner verlangte nochmals von uns volle Konzentration. Uns war es auch erst wieder wohler als wir den Klettersteig verließen und wieder in den Gletscher einstiegen. Wir legten die Steigeisen wieder an und schon ging es in schnellen Schritten Richtung Adlersruh. Der Schnee war mittlerweile sehr weich, so dass wir bei jedem Schritt bis in Wadenhöhe versanken. Kurz nach 9.00 Uhr erreichten wir die Adlersruh. Dort verweilten wir knapp 2 Stunden, packten unsere Rucksäcke, verzehrten etwas und ruhten uns vor allem aus. Der Weg schien uns noch sehr weit bis zum Lucknerhaus. Rund 1.600 Höhenmeter waren bis dorthin zu bewältigen. Der weitere Abstieg verlief sehr zügig. Den Klettersteig zum Ködnitzkees passierten wir relativ schnell. Dieser Abschnitt des Gletschers war noch weicher als der obere Teil. Die ausgetretenen Wege konnten dazu kaum begangen werden. Am Gletscherausgang machten wir noch einige Fotos. Im Hintergrund der majestätisch wirkende Großglockner. Gegen 12.00 Uhr erreichten wir die Stüdlhütte in 2.800 m. Dort entrichteten wir unseren Obolus (1.400 ÖS/Person) an Peter, den er sich auch wohl verdient hatte. Wir stiegen aus den Gurten und verabschiedeten uns von ihm und unseren beiden Weggefährten. Der weitere Abstieg verlief sehr flott bis zur Lucknerhütte, an der wir uns noch kurz mit einem Radler stärkten. 13.30 Uhr endete der Abstieg am Lucknerhaus und die Rückfahrt nach Vogelsang konnte beginnen. Wir waren froh, diese gewaltige Tour so gut gemeistert zu haben. Am Abend wurde uns im Kalser Bergführerbüro die Urkunde überreicht. Unsere Besteigung des höchsten Gipfels Österreichs mit 3.798 m feierten wir im Strumerhof und stießen mit einem Obstler auf die "Gsundheit" an.