Gipfelsieg
Dienstag, 1. August 2000
Nach einer etwas unruhigen Nacht und einem kleinen Frühstück legten wir die Gurte an und brachen gegen 7.00 Uhr in Richtung Großvenediger auf. Die ersten 100 Höhenmeter gingen wir über steinige mit Schneefeldern durchsetzte Wege. Am Einstieg in den Gletscher wurde unsere Gruppe (7 Personen) vom Bergführer angeseilt. Der Weg verlief nun steil bergab zum Rainer Kees. Danach ging es langsam bergauf über den ziemlich vereisten Schnee unterhalb der Rainer Horns. Glücklicherweise waren die Gletscherspalten durch die relativ starke Schneedecke nicht sichtbar. Der Gletscherweg führte nun steil bergauf vorbei an dem 3.422 m hohen Rainer Törl. Auf dem Gletscherdach am Hohen Aderl verweilten wir etwas, da andere Seilschaften auf dem Rückweg vom Gipfel waren und der schmale Venedigergrat ein Begegnen nicht zulässt. Wolfgang nutzte die Gelegenheit und erklärte uns die umliegenden Gipfel. Der Ausblick war wieder überwältigend. Wir konnten bis zu den Dolomiten schauen. Herzensmut und Schwindelfreiheit waren jetzt gefordert, um den schmalen ca. 50 cm breiten und 20 m langem Venedigergrat bis zum Gipfelkreuz zu überwinden. Der Grat fiel beiderseits mehrere hundert Meter stark ab. Obwohl wir angeseilt waren hatten wir beim Überqueren ein etwas mulmiges Gefühl. Umso größer war dann die Freude über den gelungenen Gipfelsieg. Mit "Berg Heil" beglückwünschten wir uns gegenseitig und stiessen mit einem wohlverdienten Gipfelschnaps an. Vom Gipfelkreuz konnten wir nun auch die Aussicht in Richtung Norden geniessen. Zugspitze und Watzmann waren gut zu erkennen. Der Abstieg verlief ziemlich zügig. Unsere Seilschaft war mittlerweile ein eingespieltes Team. Der Schnee wurde aber zunehmend weicher, so dass wir oft wadentief versanken. Im unteren Teil des Rainer Kees führte uns Wolfgang an einem spaltenreichen Gletscherabschnitt vorbei. Dort konnten wir die gewaltigen Dimensionen aus nächster Nähe betrachten. Oft lag nur eine dünne Schneedecke über dem Gletscher, die die gefährlichen Spalten überdeckte. Gegen Mittag erreichten wir wieder das Defreggerhaus, nahmen unsere großen Rucksäcke in Empfang, die wir für den Aufstieg nicht benötigten und setzten den Weg in Richtung Johannishütte fort. Mit dem Hüttentaxi fuhren wir schließlich wieder nach Prägraten, wo wir im Bergsteigerbüro stolz unsere Urkunden in Empfang nahmen.
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