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Mandara-Horombo

Montag, 30. November 1998

Um 6 Uhr war es bereits hell. Es herrschte Andrang an den wenigen Waschbecken. Es ist nur ein kurzes Zähneputzen und Waschen unter eiskalten Wasser. Rasieren fällt sowieso aus, da ein 220 Volt Stromanschluß nicht vorhanden ist. Die Hütten konnten aber teilweise mit Solarenergie beleuchtet werden. Pünktlich 8 Uhr brachen wir auf in Richtung Horomo-Hütten. Es war ein Höhenunterschied von ca. 1.050 m zu überwinden. Der Tag begann sehr sonnig. Zunächst sind wir etwa eine Stunde durch den Regenwald vorbei am Maundi-Krater gewandert. Die Vegetation wurde nun zunehmend niedriger. Vor uns lag eine wunderschöne Steppenlandschaft mit vielen bunten Blumen und Sträuchern. Wir konnten Bromelien, Fingerstrauch, Rhododendron, Oleander u.v.a.m. in der schönsten Blütenpracht erleben. Diesen Anblick werden wir wohl nicht so schnell vergessen. Die erste Rast machten wir nach etwa einer anderthalb Stunde in 2.900 m Höhe. Die zweite erst zwei Stunden später. Unser Guide sagte, dort wäre die Hälfte unserer Wegstrecke absolviert. Für die Anstrengungen des Aufstiegs wurden wir jedoch immer wieder durch den herrlichen Anblick der Pflanzen und dem schönen Wetter belohnt. Der Höhenmesser zeigte 3.400 m an. Es waren also noch 380 Höhenmweter bis zur Horombo-Hütte. Plötzlich reißt die Wolkendecke auf und es zeigt sich der Mawenzi fast in seiner vollen Pracht. Dies mußte natürlich fotografisch festgehalten werden. Vom Kibo ist allerdings noch nichts zu sehen. Nach etwa einer 3/4 Stunde Pause ging es weiter durch prachtvolle Steppenlandschaft mit besonders schönen Pflanzen. Wir sahen das erste Mal riesengroße Senecien. Es sollen die größten weltweit sein. Uli und ich waren die letzten unserer Gruppe, da wir immer wieder an den schönen Pflanzen verweilten. Um 14 Uhr haben wir die Horombo-Hütten bei starken Regenfällen erreicht. Es wurde eisig kalt. Wir zogen uns auch sofort nach Beziehen der Hütte um. Jetzt war es wohl erst einmal vorbei mit kurzer Hose und T-Shirt. 14.30 Uhr wurden wir mit heißen Tee, Kaffe und Gebäck versorgt. Das tat uns richtig gut. Die Hütten waren etwas größer als in Mandara. Sechs Personen hatten darin Platz. Zu uns gesellte sich noch ein Mann aus Köln, der bereits wieder auf den Abstieg war. Er erzählte von klarer Sicht und eisiger Kälte auf dem Kibo. Er war über Kenia aufgestiegen. Auf Horombo werden wir nun drei mal übernachten. Zweimal beim Aufstieg und noch einmal nach dem großen Gipfelsturm. Auf Horombo gab es keine Duschen, nur noch ein Waschbecken neben der Toilette und zwei im Freien. Die Toiletten waren sehr sauber und hatten sogar Wasserspülung. Am Nachmittag bemerkte ich Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und leichte Schmerzen in der Darmgegend. Das waren wohl die ersten Anzeichen der oft beschriebenen Höhenkrankheit. Ich ging daraufhin noch ein wenig an den neben den Hütten vorbeifließenden Bach entlang. Nach ca. 1/2 Stunde waren diese ersten Anzeichen glücklicherweise wieder verflogen. Bis zum Abendessen spielten wir in den großen Aufenthaltsraum noch ein wenig Skat. Zum Abendessen gab es dann wieder jede Menge Kohlenhydrate in Form von Nudeln, Huhn, Möhren und Bohnen, die wie üblich sehr reichlich serviert wurden. Wir waren immer wieder erstaunt, wie diese Gerichte in der Höhe und unter diesen primitiven Voraussetzungen so wohlschmeckend zubereitet werden konnten. Gegen 19 Uhr sahen wir noch etwas vom Kibo und Mawenzi. Die Wolkenlücken über uns wurden jedoch immer weniger. Dafür ist das Lichtermeer von Moshi sichtbar. Der Regen hatte nachgelassen und es nieselt nur noch ein wenig. Die kommende Nacht war sternenklar bei -3 °C.