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Horombo - Kibo-Hütte

Mittwoch, 2. Dezember 1998

Heute wandern wir zur Kibo-Hütte in 4.700 m Höhe. Damit beginnt der eigentlich schwierigste Abschnitt des Aufstieges. Es sind nicht die Wegverhältnisse und die teilweise steilen Anstiege, die uns Probleme bereiten können, sondern die zunehmende Höhe. Wir gingen zunächst auf der Lower Route bis zum Last Water. Diesen Weg kannte ich schon teilweise von meinen gestrigen Fotoausflug am frühen Morgen. Da dieser Tag sehr sonnig begann, bot sich uns ein herrlicher Blick bereits kurz nach dem Abmarsch auf den fast völlig frei sichtbaren Kibo und den Mawenzi. Der Weg führte zunächst durch eine schöne Heide- und Graslandschaft, auf der ab und zu noch Senecien zu sehen waren. Nach ca. 2 Stunden erreichten wir Last Water Point, an dem die Träger ihre Behälter mit Wasser füllten. Diese letzte Wasserstelle ähnelt der auf der Upper Route. Es ist sehr sumpfig und wir hatten Mühe, vor diesem eindrucksvollen Schild ein Foto zu schießen. Wir machten dort auf einer Holzbank unsere erste Rast und stärkten uns wie immer mit Müsliriegel. Die Gruppe lief bis zu diesen Punkt weitgehend gemeinsam. Uli und ich hatten uns jedoch vorgenommen, diese Tour ganz besonders langsam zu absolvieren, da dies ein wesentlicher Bestandteil des Gipfelerfolges ist.Wir gingen weiter durch immer karger werdende Landschaft zunächst bis zum Kibo-Sattel (The Saddle) in 4.310 m Höhe. Etwa 30 Minuten nach unserer Pause wurde mir etwas schwindlig und ich bekam leichte Kopfschmerzen. Daraufhin reduzierten wir nochmals unser Tempo. Am Wegesrand hatte jemand mit Steinen die Wörter "Good Luck", also Viel Glück, gelegt. Das werden wir sicher brauchen auf der letzten Etappe. Nach einer unendlich wirkenden Wüstenlandschaft mit einzelnen Felsengruppen, in der sich kaum eine Vegetation ansiedeln konnte, erreichten wir nach mehreren kleinen Pausen um ca. 14 Uhr die Kibo-Hütte, die schon vom Sattel aus sichtbar war und uns schon so greifbar nahe schien. So kann man sich eben täuschen. Die Kibo-Hütte ist ein alter Steinbau mit 12-Bett-Zimmern. Nach der Ankunft wurden wir mit Tee, Gebäck und Milo - eine Art Energietrunk - bewirtet. Unsere Rucksäcke waren längst angekommen. Auf dieser Hütte gab es kein Wasser und nur Trockentoiletten. Uli und ich stiegen wie die meisten anderen noch ein paar Höhenmeter bergauf, um uns auf die letzte entscheidende Tour vorzubereiten. Zwei Frauen und ein etwas älterer Mann beklagten starke Kopfschmerzen und Schwindelgefühle. Sie waren bestimmt tags zuvor etwas zu schnell gegangen. In dem Zimmer herrschte ein hektisches Treiben. Jeder zog sich für den großen Aufstieg bereits um, packte seinen Rucksack oder ruhte sich aus. Einige gingen in die nähere Umgebung, um noch etwas zu erkunden. Um 17 Uhr gab es Abendessen und danach war bereits Bettruhe angesagt, denn der nächste Tag wird von vielen alles abfordern. Trekker, die uns noch vorm Sattel entgegen kamen, berichteten von -15 °C auf dem Kibo und starken Schneefällen an der Kibo-Hütte vergangene Nacht. In der Dämmerung zeigte sich der Kibo noch mal von seiner gesamten Größe. Für ein Foto oder Film war es jedoch zu dunkel. Die Zeit bis zum Wecken um 23.00 Uhr war wie angestemmt. Keiner konnte so recht schlafen. Einmal verhinderte die Höhe eine normale Nachtruhe, zum anderen waren die meisten sehr aufgeregt. Mein Puls, der normalerweise zwischen 55 und 60 pendelt, zählte über 90 Schläge in der Minute. Während dieser Ruhezeit ist dem älteren Mann, der bereits am Nachmittag über starke Kopfschmerzen klagte, die Höhenkrankheit schlimm widerfahren. Er hatte sich daraufhin entschlossen, am Gipfelsturm nicht teilzunehmen.