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1. Etappe: Oberes Vogtland / Westerzgebirge (117 km)

Mittwoch, 31. August 2005

Mit der Vogtlandbahn erreicht man bequem den Ausgangsort Hundsgrün im Elstertal. Wer aber die knapp 1.000 Höhenmeter nach Mühlleithen nicht auf sich nehmen möchte, kann über Adorf nach Klingenthal mit der Bahn fahren. Es war an diesem Morgen noch sehr neblig und frisch. Der Wettermann hatte aber für diesen letzten Augusttag sonnige Temperaturen bis 30 Grad prophezeit. Die Tour begann bei einer Höhe von etwa 400 m. Zunächst ging's auf der B92 in Richtung Adorf und dann weiter die Landstraße nach Marieney. Ich musste bis zum Aschberg bei Klingenthal mindestens 600 Hm bewältigen. Das Gelände aus dem Elstertal ins obere Vogtland zeigte sich dementsprechend bergig. Der eigentliche Kammweg beginnt ja erst in Mühlleithen bei Klingenthal. Ich wählte bis dorthin abgelegene Landstraßen über Saalig, Eschenbach, Gunzen und das romantische Zwotental. Lediglich in Klingenthal nervte der Stadtverkehr, bevor ich endlich ins Wohngebiet „Aschberg" abbiegen konnte. Die Straße stieg fast endlos nach oben. Gegen 10.30 Uhr war es endlich geschafft und ich hatte den Kammweg nach 35 Berg-km in der Nähe des Aschberg-Turms erreicht. Der Kammweg eröffnete sich als sehr gut ausgebauter Schotterweg. Nach einem Startfoto auf genau 898 m Höhe konnte es nun losgehen. Ich dachte mir zunächst, dass der Weg dem Namen nach kaum nennenswerte Höhenunterschiede aufweisen würde, aber das war ein gewaltiger Trugschluss, wie sich später herausstellte. Bereits zu Beginn begann die Berg- und Talfahrt zum Rammelsberg auf 936 m. Eine ausgiebige Rast war jetzt unbedingt notwendig, da das morgendliche 5 Uhr-Frühstück noch nicht so richtig schmecken wollte. Weiter ging es nun vorbei an der Talsperre Carlsfeld nach Johanngeorgenstadt. Rechts konnte ich die Hochmoore des großen und kleinen Kranichsees erkennen. An der Gaststätte Henneberg war es nun höchste Zeit die Trinkflaschen aufzutanken. Ein freundliches Ehepaar, das dort mit ihren Enkel den Urlaub verbrachte, gewährte mir Zugang zu den ansonsten wegen Ruhetag geschlossenen Gasthaus. Der Weg führte nun während einer rasanten Abfahrt weiter über Oberjugel, Unterjugel zum Grenzübergang Johanngeorgenstadt. Von weitem konnte ich schon die Stände der Vietnamesen mit ihren Gartenzwergen, Windmühlen, Vogelhäusern usw. erkennen. Die Formalitäten waren schnell erledigt und die Fahrt konnte durch das Schwarzwassertal in Richtung Bozy Dar fortgesetzt werden. Der Radweg war einfach ein Traum. Mitten im Wald entlang des wilden Schwarzwassers ging es stets leicht bergauf. Die verlorenen Höhenmeter von der Schussfahrt nach Johanngeorgenstadt mussten ja wieder aufgeholt werden. Ab der Weggabelung Ryzovna wurde die Landschaft freier und der Wind, der aus SSW kräftig bliess, machte dem Vorwärtskommen zu schaffen. Die aufgetankten Flaschen waren fast schon wieder leer getrunken. Ab und zu musste ich das Rad wegen des starken Windes und der zunehmenden Steigung schieben. Rechts grüßte der Spitzenberg mit seinem 1.115 m Höhe. Gegen 14.00 Uhr kam ich in Bozy Dar an. Jetzt ging erst mal gar nichts mehr. Die nächste Radlergaststätte ließ auch nicht lange auf sich warten. Nach einer ausgiebigen Knödelmahlzeit und einem ½ l Prazdroj sah die Welt schon ganz anders aus. Der Weg führte nun weiter durch den Grenzort. Kurz vor dem Übergang bog ich rechts ab und fuhr zum höchsten Gipfel des Erzgebirges, den Klinovec (Keilberg) auf 1.244 m Höhe. Er überragt unseren Fichtelberg um 30 m. Auf dem Gipfel waren sehr viele Baumaßnahmen im Gange, so dass er zum längeren Verweilen nicht unbedingt einlud. Der Ausblick war natürlich gewaltig. Vom Keilberg aus schloss sich nun eine herrliche 20 km lange Abfahrt über Böhmisch Hammer nach Vejprt an. Die vielen kleinen Ortschaften passierte ich in Windeseile. In Vejprt überquerte ich die Grenze nach Bärenstein. Den netten kleinen Ort verließ ich auf ruhiger Landstraße in Richtung Jöhstadt. Die Straße zog sich stetig ansteigend durch den Wald. Ich musste auch hier ein paar Schiebepassagen einlegen. Die 100-km-Marke hatte ich bereits erreicht. Oben angekommen, präsentierte sich mir ein Windpark mit 10 Windrädern und einer Informationshütte. Ich machte dort Rast und informierte mich über die Anlage, obwohl sie meines Erachtens nicht besonders in die schöne Erzgebirgslandschaft passte. In Jöhstadt gab es wieder eine kleine Abfahrt durch den Ort in Richtung Schmalzgrube. Der winzige Ort mit den etwas seltsamen Namen zeigte sich idyllisch eingebettet in dichte Wälder. Wie ich dort erfuhr, trieb vor einiger Zeit Karl Stülpner in der Gegend sein Wesen oder Unwesen. Jedenfalls macht ein Denkmal darauf aufmerksam. Plötzlich stand ich wieder vor einem Grenzübergang. Ich hatte mich etwas verfahren und durfte etwa 2 km zurück. An der Brücke in Schmalzgrube war der Wegweiser nach Satzung kaum zu bemerken. 4 km waren dort ausgewiesen. Eine Einheimische hatte mich schon gewarnt, dass diese Entfernungsangabe nicht stimmen kann. Schließlich führte der Kammweg ca. 6 km in Serpentinen auf Schotter durch den Wald. Mit Fahren war jetzt nicht mehr viel. Die Kräfte waren fast aufgezehrt. Ich erfreute mich dennoch an der wunderschönen Natur, besonders der vielen rauschenden Bachläufen. Jetzt war höchste Zeit zur Quartiersuche. Im Satzunger Erbgericht fand sich dazu auch die entsprechende Gelegenheit. 117 km zeigte letztendlich der Tacho.