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2. Etappe: Faschinajoch - Vättis/Taminatal

Samstag, 17. Juni 2006

Nach den Anstrengungen des Vortages schlief ich wie ein Bär, obwohl ich Bär “Bruno” glücklicherweise nicht angetroffen hatte. Der Tag begann wieder mit einem kräftigen Gewitter und strömenden Regen. Der Blick aus dem Fenster war wenig verheißungsvoll. Über den Großwalsertal lagen tiefen Wolken und Nebel. Der Wettermann meldete aber einen recht sonnigen Tag. Für mich war dies kaum vorstellbar. So frühstückte ich erst einmal in aller Ruhe und schwang mich gegen 8.30 Uhr bei etwas nachlassenden Regen aufs Bike.

Bei der Fahrt ins herrlich gelegene Großwalsertal, das wohl an diesem Tag auch das Großregental heißen konnte, blies mir der morgendliche kalte Fahrtwind mächtig entgegen. Zum Glück ging es 700 bis 800 Höhenmeter auf ruhiger Straße in großen Serpentinen bis zum Örtchen Sonntag steil bergab.

Der Ortsname hatte offenbar eine positive Wirkung auf das Wetter, denn schlagartig hörte der Regen auf und die Sonne blinzelte durch die immer noch dicken Wolken. Drei junge Männer trieben ihre Rinder gelassen die Straße hinauf zur Alm. Es war eine tolle Morgenstimmung mit Kirchenglockengeläut und einer mittlerweile immer besser werdenden Aussicht ins Tal und die umliegende Bergwelt.

Die Straße führte nun etwa 200 bis 300 Höhenmeter bergauf nach Blons und weiter nach St. Gerald. Auf diesem Wegabschnitt sah ich einige Alpensalamander über die Straße flitzen. Einer tat mir den Gefallen und ließ sich in aller Ruhe fotografieren.

Ab Thüringenberg ging es in rasanter Abfahrt nach Thüringen. Heimatgefühle kamen auf und ich ließ mich vor dem Ortsschild von einem jungen Passanten fotografieren. Nahtlos fügte sich an Thüringen der Ort Bludesch an.

Kurze Zeit später erreichte ich hinter der Autobahnbrücke Nenzing. Hier musste ich mich nun über den weiteren Streckenverlauf entscheiden. Ich fuhr zunächst zum Eingang des Gampadonatals. Dort sah ich Schilder mit Hinweisen, dass die Alm am Nenzinger Himmel noch geschlossen war und das Tal noch Wintersperre hatte. Als ich mir so dachte, dass dies kein gutes Zeichen für den Übergang nach Liechtenstein über das Sareiserjoch in 2.100 m Höhe ist, begrüßte mich ein freundlicher Bauer. Er riet mir ab, die Tour übers Joch zu nehmen, da oben noch alles verschneit ist. Ich hatte außerdem von den Erfahrungen tags zuvor noch genug. Dies wollte ich mir nicht unbedingt antun. Es wäre vielleicht noch eine Portion schlimmer geworden. Der gute Mann empfahl mir die Route über Feldkirch. Es sind zwar mindestens 30 km mehr, aber dafür bedeutend einfacher.

So fuhr ich den Radweg durch Felder und Wiesen entlang der Ill über Frastanz nach Feldkirch. Ich habe bei dieser schönen Auenlandschaft die ursprünglich geplante Bergfahrt nicht vermisst. In Feldkirch war gerade Markttag und die ansonsten auch so wunderschön anzuschauenden Stadt wimmelte vor Menschen, so dass ich das Rad im Zentrum nur schieben konnte.

Die Suche nach dem Grenzübergang nach Liechtenstein war anfangs etwas schwierig, da ich nicht unbedingt die Hauptstraße nutzen wollte. Einige freundliche Radfahrer zeigten mir dann einen ruhigen Wirtschaftsweg, der fast unbemerkt ins Fürstentum führte. Den Grenzübergang durften nur Radfahrer und Fußgänger von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang benutzen.

Ein Bauer düngte dort seine Felder mit Gülle, so dass es mir fast den Atem nahm. Wenig später erreichte ich auf den Radweg die gepflegten Orte Mauren, Eschen und Schaan. In Schaan fielen mir besonders viele Gewerbebetriebe auf, die sich am Rhein ansiedelten.

Kurze Zeit später gelangte ich in den Trubel der Hauptstadt Vaduz mit den vielen Geschäften und Bankgebäuden. Am Schloss, auf dem sicherlich der Fürst residiert, waren umfangreiche Baumaßnahmen im Gange. Ich bog nun ab zum Ufer des Rheins und fuhr ca. 30 km flussaufwärts auf dessen Damm. In Balzers (FL) wechselte ich nun auf die Schweizer Flussseite. Da die Radwege beiderseits des Rheins asphaltiert sind, tummelten sich neben den vielen Radfahrern und Wanderern vor allem Inlineskater. Trotz der schönen Landschaft wirkte der Radweg auf mich etwas monoton.

Ich war deshalb froh, als ich in Bad Ragaz das Heidiland erreichte. Zuvor tankte ich nochmals meine Trinkflaschen an einer am Radweg gelegenen Gokart-Bahn auf. Der wunderschön gelegene Ort Bad Ragaz ist das Tor zum Taminatal. Bis zu meinem Tagesziel nach Vättis waren nun noch 500 Höhenmeter zu überwinden.

Da ich mittlerweile fast 100 km in den Beinen hatte, schob ich teilweise mein Rad die ersten steilen Serpentinen nach Präfers. Hier machte ich Rast an einer munter plätschernden Quelle. Die Straße führte nun etwas sanfter nach oben vorbei an den Ort Valens. Am weiteren Wegeverlauf passierte ich noch eine Talsperre, deren türkisblaues Wasser mich faszinierte und zum Verweilen einlud.

Das Hotel Calandar in Vättis erreichte ich gegen 17.00 Uhr. An diesen Tag legte ich insgesamt 111 km und 1.100 Höhenmeter zurück.