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3. Etappe: Vättis/Taminatal - Surrein/Rheintal

Sonntag, 18. Juni 2006

Diese Etappe hatte ich etwas kürzer geplant, da die kommenden Tage ziemlich anstrengend werden. Gegen 8.00 Uhr wurde ich mit einem reichlichen Frühstück bewirtet. Dies gab die nötige Kraft für die erste Herausforderung an diesen Tag bei der ca. 400 Höhenmeter zählenden Auffahrt zum Kunkelpass.

Der Tag begann sonnig und warm. Zahlreiche Einwohner von Vättis folgten den lauten Glockenklängen der Kirche. Es war Sonntag kurz vor 9.00 Uhr als ich mit der Tour begann. Der schmale Weg zog sich zunächst sanft durch bunte Almwiesen nach oben. Ich passierte den breit verstreuten Ort Kunkels. Jetzt verlief die Schotterpiste auf den eigens dafür ausgeschriebenen Kunkelstrail stärker ansteigend. Mehrere Mountainbiker waren an diesem Morgen bereits unterwegs.

In reichlich einer Stunde erreichte ich die Passhöhe. Ich genoss die schöne Landschaft bei alpenländischer Musik und einen Becher Milch. Bei der Abfahrt nach Tamins eröffnete sich ein extrem steiles Gelände. Die Aussicht war atemberaubend. Besonders in der Tunnelpassage war der Ausblick aus den wenigen schmalen Galerieöffnungen in Verbindung mit dem etwas heiklen Gelände super. Im etwa 200 m langen Tunnel konnte ich das Rad aufgrund der Finsternis nur schieben.

Trotz der extremen Steigung von rund 20 % begegneten mir eine Frau und ein Mann im Sattel. Über welch gute Kondition müssen die beiden verfügen, dachte ich mir. Die meisten Biker schoben allerdings ihr Rad. Meine Bremsen waren mittlerweile an der Belastungsgrenze angelangt. Die eine oder andere Pause tat der stark erhitzten Felge gut. In Tamins im Rheintal war es bedeutend wärmer als auf der Passhöhe.

Ich befand mich nun wieder auf den Schweizer Radweg Nr. 2, der bis Andermatt führt. Mit einigen leichten bis mäßigen Steigungen fuhr ich die Straße über Bonaduz bis zur Rheinschlucht. Die Aussicht in den "Schweizer Canyon” hat mich sehr beeindruckt. Die Kombination von türkisblauen Wasser, 400 - 500 m hohen Felswänden und schneebedeckten Gipfeln war einfach überwältigend. An mehreren Stellen der engen Felsstraße tummelten sich viele Fotografen. Die Straße nach Versam war wohl eine der schönsten Strecken, die ich je gefahren bin.

Die Hitze bei der Auffahrt steigerte nach und nach meinen Wasserverbrauch. Es gab wohl unterwegs keine Quelle, die ich nicht zum Auftanken nutzte. Nach Versam wurde die Straße wieder flacher und ab Carrera, es muss wohl an den Porschenamen gelegen haben, konnte ich eine schnelle Abfahrt nach Ilanz erleben. Dabei passierte ich die Orte Valendas, an deren Brunnen ich mich erfrischte, und Castrisch.

Ilanz gehört bereits zum Rhätoromanischen Sprachraum. In dieser kleinen Stadt empfand ich die Hitze besonders drückend. Ich war froh, als der Radweg entlang des Rheins in den Wald abbog. Nach Surrein, meinem heutigen Tagesziel waren zu meinem Erstaunen nur 21 km angegeben. Ich nahm mir nun mal richtig Zeit für eine ausgiebige Rast.

Die nächsten Kilometer verliefen auf Schotterwegen stets leicht auf und ab. Es war nicht besonders anstrengend, aber dennoch hatte ich irgendwie bei den hohen Temperaturen ein kleines Formtief. In Tavanasa wechselte der Radweg auf die rechte Rheinseite, um in Trun wieder linksseitig weiterzuführen. Der Weg verlief abseits jeglichen Straßenverkehrs. Nur die Rhätische Bahn und der Glacierexpress "donnerten" durch die idyllische Landschaft.

An einer seichten Stelle am Rhein hielt es mich nicht mehr und ich watete in das klare Wasser des Vorderrheins oder “Rein anteriur”, wie er hier heißt. Dies störte offenbar eine Entenfamilie, die laut schnatternd davon schwamm. Plötzlich zog wieder einmal eine Gewitterfront auf, die eine rasche Weiterfahrt erzwang.

Es waren aber nur noch 3 km bis zur Ugrina Greina in Surrein, die ich gegen 16.30 Uhr erreichte. Die zurückgelegte Strecke betrug an diesen Tag 62 km und etwa 1.200 Höhenmeter.