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Monte Cevedale 3.769 m

Aufstieg von der Casatihütte und Abstieg über Eisseepass

Donnerstag, 22. Juli 2004

Nach einer relativ unruhigen Nacht klingelte um 5.30 Uhr mein Handywecker. Ich wollte an diesen Morgen das sogenannte Alpenglühn fotografieren. Meine Erwartungen wurden zwar nicht erfüllt, aber dafür konnte ich einen wunderschönen Sonnenaufgang beobachten.

Nach einem kleinen Frühstück mit Kaffee, Marmeladenbrot, Joghurt und Müsli begann um kurz nach 7.00 Uhr der Aufstieg zum Monte Cevedale. Genau 500 Höhenmeter waren über den Zufallferner zu überwinden. Wir hatten den Berg ständig im Blick, der uns bei jedem Meter gewaltiger vor kam. Der gleiche Weg führte bis auf etwa 3.500 m auch zur benachbarten und nur 10 Meter niedrigeren Zufallsspitze, die auch Monte Cevedale II genannt wird.

Das Wetter meinte es wieder gut mit uns. Bei strahlenden Sonnenschein und fast wolkenlosen Himmel führte der Weg erst relativ sanft und später immer steiler bergauf. Der Gletscher war an diesem Morgen sehr vereist. Ohne Steigeisen wäre wohl der Aufstieg nicht möglich gewesen. Auch hier oben passierten wir nochmals faszinierende Eisformationen. An besonders steilen Passagen schlug Kurt mit dem Pickel Stufen ins Eis. Teilweise mussten Steigungen von über 45 Grad überwunden werden.

Auf den ca. 300 Meter langen Gipfelgrat wehte ein starker und eisiger Wind, der gleich Claudias Mütze ins Tal beförderte. Um genau 9.25 Uhr konnten wir den Gipfelsieg feiern. Auf den felsigen Gelände war in dieser Schwindel erregenden Höhe nur sehr wenig Platz. Nach dem obligatorischen Gipfelfoto versuchte jeder von uns einen sicheren Platz für seine Brotzeit zu finden. Dazu lösten wir vorrübergehend die Seilschaft. Wir konnten ein wunderschönes Bergpanorama bis zur Brenta- und der schweizerischen Berninagruppe geniessen.

Gegen 10.00 Uhr begannen wir mit dem Abstieg. Dieser verlief problemloser als befürchtet. In einer reichlichen Stunde erreichten wir wieder die Casatihütte. Nach einer halbstündigen Pause liefen wir weiter ohne Steigeisen über den Langerferner zum Eisseepass. Der Schnee war mittlerweile sehr weich geworden. Am Eisseepass fanden wir extrem steiles und feinschotteriges Gelände vor. Hier war nochmals höchste Vorsicht geboten. Vom Pass hatte man eine herrliche Aussicht auf den gesamten Suldenferner, die Suldenspitze und das Dreigestirn (Königspitze, Zebru, Ortler). Hier wurde uns erst einmal richtig bewusst, welche großen Höhenunterschiede wir tags zuvor überwunden hatten.

Nach dieser rutschigen Kletterpassage am Fels waren wir wieder froh den Suldenferner unter den Füßen zu haben. Kurz vor der Seilbahnstation begegneten uns noch den Yaks von Reinhold Messmer. Die interessant aussehenden Tiere hatten wir bereits am Dienstag in der Nähe der Schaubachhütte beobachten können. Kurz nach 13.00 Uhr trafen wir an der Bergstationen der Suldenbahn ein und verpassten um wenige Minuten die Talfahrt. Wir hatten nun knapp eine Stunde Zeit, um uns auf der Terasse der Bergbahn bei einem super Ausblick auszuruhen und diese wunderschöne Bergtour noch mal Revue passieren zu lassen.

Gegen 16.00 Uhr nahmen wir im Haus der Berge stolz unser Urkunde in Empfang. Wir verabschiedeten uns von Kurt Ortler und dankten ihm für die gelungene Führung. Er hatte schon wieder den nächsten Auftrag zur Besteigung des Ortlers in der Tasche und musste noch den selben Tag zu Payerhütte auf 3.029 m.