Aufstieg über Arthur-von-Schmid-Haus
Dienstag, 1. September 2009
Zum meteorologischen Herbstanfang ist wunderschönes Bergwetter. Morgen am Mittwoch soll es am Nachmittag gewittern. Deshalb plane ich kurzum eine andere Tour. Wir fahren mit dem Auto zum Parkplatz ins Dösental. Die Straße bis dorthin verläuft über einige Serpentinen mit grandiosen Blick ins Mölltal. Der Parkplatz liegt etwa 1450m hoch. Dies zeigt jedenfalls mein Höhenmesser an. Wir hören noch die 9 Uhr Nachrichten und brechen dann auf.
Es ist ein breiter Schotterweg, der leicht ansteigend in das hintere Dösental führt. Wir sind zu Beginn recht flott unterwegs. Unser Ziel ist zunächst das Arthur-von-Schmid-Haus auf 2.300m Höhe. Nach einer reichlichen halben Stunde erreichen wir die Conradhütte, ein mit Geranien geschmücktes altes Holzhaus auf 1.600m Höhe. Die romantische Lage mitten im Wald an einem kleinen See lädt zum Verweilen ein, doch wir haben noch einen weiten Weg.
Gleich hinter der Hütte bemüht sich ein Volvo-Radlader mit der Beseitigung einer gewaltigen Mure, die den Weg versperrt. Wir klettern über die losen schlammigen Geröllmassen. Hinter dem kleinen See verläuft nun der Weg auf schmalen Pfad durch den Wald. Der Weg nennt sich auch Blockgletscherweg und ist ein Naturparklehrpfad, bei den man an einigen Stellen besonders schöne Aussichten ins Dösental und auf den herabstürzenden Wasserfall hat. Nach der Bewältigung der ersten Höhenstufe befinden wir uns auf etwa 1.900m. Hier stehen in exponierter Stelle die Dösner Almhütten, die aber nicht öffentlich bewirtschaftet sind. Wir laufen entlang der Hochebene durch eine schöne Wiesenlandschaft, die durch zahlreiche Wasserläufe durchbrochen wird. Am Rande der nächsten Höhenstufe erahnen wir das Arthur-von-Schmid-Haus. Bis dahin sind aber noch zahlreiche Geröllfelder und Gesteinsblöcke zu überwinden. Manchmal ist die Wegmarkierung auf den Gesteinsblöcken etwas schwer zu finden. Wir finden aber den Weg und erreichen gegen 11:30 Uhr unser Etappenziel.
Die Hütte liegt idyllisch am Dösner See unterhalb des Säulecks. Jetzt ist Zeit für eine ausgiebige Rast. Bei Energietrunk, Brot und Apfel beraten wir über den weiteren Tourverlauf. 2,5 Stunden sind bis zum Gipfel über den Detmolder Steig ausgeschrieben. Es ist 12 Uhr und wir wissen, dass es eigentlich schon ziemlich spät für diese Unternehmung ist. Normalerweise übernachten die Bergsteiger im Schmid-Haus und gehen morgens hinauf.
Der Weg verläuft zunächst in engen steilen Serpentinen die Seewände hinauf. Wir gewinnen somit schnell an Höhe. Uns kommen ab und zu Wanderer entgegen, die bereits beim Abstieg sind. Die Orientierung fällt uns oftmals schwer, da die rot-weißen Markierungen recht schwer zu finden sind. Wir klettern über zahllose Gesteinsblöcke, die glücklicherweise trocken sind. Weiter oben überqueren wir die ersten Schneefelder. Ein Ehepaar kommt uns entgegen und berichtet, dass sie 2:40 Stunden gebraucht haben und der weitere Weg für uns derzeit nicht sichtbar hinter der Mallnitzer Scharte auf der Rückseite des Berges verläuft. Wir legen mehrere Trinkpausen ein. Der Gipfel scheint uns noch relativ weit entfernt. Laut Höhenmesser sind es noch rund 400-500 Höhenmeter. Beim Blick zurück kommt uns der See und die Hütte aber noch weiter vor. Hinter der Scharte wird der Weg zunehmend steiler. Wir müssen uns jetzt auf unsere Kletterkünste verlassen. Die Stöcke lasse ich an einer markanten Stelle auf 2.780m zurück. Beim Klettern stören sie nur. Wir überqueren ab und zu wieder Schneefelder und zwischendurch immer wieder große Gesteinsblöcke und Geröllfelder. An der Grazer Scharte haben wir einen schwindelerregenden Blick in den Gößgraben. Die Scharte ist mit 2.917m ausgewiesen. Die letzten 200 Höhenmeter schaffen wir nun auch noch, denke ich mir. Der letzte Anstieg ist ziemlich heftig. Um genau 14:15 Uhr ist es vollbracht. Berg Heil!
Wir stehen am Hölzernen Gipfelkreuz, das mit einem Edelweiß geschmückt ist. Eine junge Frau, die wenig später am Kreuz eintrifft, macht ein Foto von uns. Die Aussicht ist heute grandios. Wir können die Hochalmspitze, den Ankogel und viele andere Berge und Täler bei wolkenlosen Himmel sehen. Etwa eine Viertelstunde verweilen wir an diesen luftigen Platz. Jetzt ist es aber an der Zeit, die 1.700 Höhenmeter wieder abzusteigen. Die Zeit ist dazu relativ knapp, da es gegen 19:30 Uhr bereits dunkel wird.
Wir steigen über denselben Weg wieder ab. Wir haben den Eindruck, dass es abwärts wesentlich schwerer geht als bergauf. Dennoch läuft zunächst alles reibungslos. Wir nehmen unsere Stöcke wieder auf. Unsere Bergkameradin vom Gipfel hat uns bereits über einen anderen Weg überholt. Wir kommen immer tiefer in Richtung Scharte und verlieren plötzlich die Orientierung. Die rot-weißen Markierungen führen uns in eine andere Richtung. Aus Zeitgründen gehen wir nicht zurück, sondern versuchen den Gipfelgrat zu überqueren, damit wir wieder das Schmid-Haus und den See erkennen können. Dies gelingt zunächst. Wir entscheiden nun, den kürzesten Weg zum See einzuschlagen. Den richtigen Weg noch zu finden, ist eher unwahrscheinlich. Nach meiner Kalkulation sind es etwa 400 Höhenmeter über unwegsames Gelände. Wir springen wie die Gämsen von Gesteinsblock zu Gesteinsblock, ohne zu wissen, was uns nach deren Überwindung erwartet. Oftmals sind große Schneefelder zu queren, deren Tragfähigkeit ich mit mehrfachen Proben mit den Teleskopstöcken teste. Es ist mittlerweile 15:30 Uhr und noch kein Ende in Sicht. Wir kommen zwar stets weiter nach unten, müssen aber oftmals auch wieder Umwege nach oben einschlagen. Gegen 16:15 Uhr erreichen wir schließlich das Ostufer des Sees gegenüber dem Artur-von-Schmid-Haus. Zahlreiche Murmeltiere flitzen hier umher und wundern sich über die merkwürdigen Besucher. Wir erhofften einen Weg um den See, aber dies entpuppt sich als Irrtum. Erst wenige hundert Meter vor der Hütte mündet ein Weg am Ufer. Kurz vor 17 Uhr treffen wir in der Hütte völlig entkräftet ein.
Der Wirt spendierte uns zwei Zirbenschnäpse, die jetzt besonders willkommen waren. Fast 800 Höhenmeter müssen wir nun noch weiter nach unten. Wir liefen trotz der konditionellen Ermüdung ziemlich schnell den Berg hinab. Der Weg zog sich nach unserem Empfinden sehr sehr lang. Besonders das letzte Stück von der Conradhütte zum Parkplatz kam uns ewig lang vor. Nach über 10 Stunden harter Bergtour treffen wir kurz vor dem Einbruch der Dunkelheit am Parkplatz ein. Wir können Gott danken, dass wir diese gewaltige Tour schadlos überstanden haben.
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