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Suldenspitze 3.376 m

Aufstieg über Schaubachhütte, Suldenferner, Janiger Scharte, 3 Kanonen

Mittwoch, 21. Juli 2004

Im Jahr der 200-jährigen Ortlerbesteigung zog es uns als bewährtes Bergsteigerteam in das Südtiroler Bergdorf nach Sulden. Im Haus der Berge wurde uns eine zweitägige Tour zum Monte Cevedale über die Suldenspitze empfohlen.

Wir trafen uns mit unseren Bergführer namens Kurt Ortler um 8.45 Uhr vor der Seilbahn Sulden. Er brauste mit seinem Jeep heran und teilte auch zugleich Steigeisen, Karabiner und Gurte aus. Um 9.00 Uhr ging es mit der weltgrößten Seilbahn, die erst vor kurzen eingeweiht wurde, auf 2.600 m Seehöhe. Die Bahn, in der über 100 Personen Platz gehabt hätten, war nur zu knapp einen Viertel belegt. Die Fahrt verlief relativ zügig. Auf der Mittelstation mussten wir jedoch umsteigen.

Um 9.30 Uhr waren wir dann an der Bergstation und legten unserer Gurte an. Kurz darauf ging es los. Bis auf ca. 2.700 Meter gingen wir noch ohne Seil auf Schotterwegen, die teilweise mit einigen Schneefeldern durchsetzt waren. Auf einem Felsen zogen wir nun die Steigeisen an und klickten uns in Kurts Seil ein. Auf der rechten Seite zeigte sich das Suldener Dreigestirn (Königspitze, Zebru und Ortler) mit voller Größe. Das Wetter war ideal für diese Gipfeltour.

Bei Sonnenschein und einem super Weitblick stiegen wir nun als Seilschaft in den Suldenferner. Die Suldenspitze, unser heutiges Tagesziel, wirkte von unten eher flach als spitz. Vor uns lag nun ein weiter Weg durch den Gletscher. Am Anfang ermahnte uns Kurt mehrmals die Seilabstände einzuhalten, da wir viele, für uns nicht immer sichtbare, Gletscherspalten überquerten. Die Gefahr, in eine solche Spalte hineinzurutschen, sollte nicht unterschätzt werden.

Auf einer Höhe von ca. 2.900 m kamen wir an den ersten sehenswerten Gletschergebilden vorbei. Kurt führte uns nun nicht mehr auf direktem Weg zur Suldenspitze sondern durch diese grandiosen Eislandschaft. Er nahm Günthers Fotoapparat und ließ keine Gelegenheit aus, unsere Seilschaft in dieser faszinierenden Umgebung zu fotografieren. Auf einer Höhe von 3.000 m bzw. 3.100 m konnten wir 2 weitere dieser Gletschergebilde erleben. Andere Seilschaften, die kurz vor uns starteten und den direkten Weg zur Suldenspitze nahmen, waren bereits viel weiter oben. Allerdings haben sie diese wahren Sehenswürdigkeiten nicht erleben können.

Wir waren nun mittlerweile auf 3.150 m Höhe angelangt. Die Suldenspitze zeigte sich nun als mächtiger Eisberg. An der Nordwand konnten wir Gerölllawinen beobachten, die mit donnernden Getöse in die Tiefe stürzten. Unser Weg führte uns nun über die Janiger Scharte (3.323 m) zum Grat. Dort oben wurde es nun merklich kühler, so dass wir unsere Fleecepullover und -jacken aus dem Rucksack kramten und überzogen. Auf den steilen felsigen Untergrund hatten wir etwas Mühe mit den Steigeisen zu gehen.

Gegen 13.00 Uhr erreichten wir glücklich den Gipfel, der sich leider ohne Gipfelkreuz darstellte. Einige Bergsteiger hatten als Ersatz dafür ein Steinmännchen gebaut. Es war dort oben einiges Gerät aus der Zeit des 1. Weltkrieges zu bestaunen. Wir konnten uns kaum vorstellen, dass Soldaten in dieser Zeit hier oben gekämpft haben. Wir beglückwünschten uns mit "Berg Heil" und konnten einen herrlichen Ausblick geniessen.

Unser Ziel des kommenden Tages, der rund 400 m höher gelegene Monte Cevedale verhüllte sich allerdings noch etwas in Wolken. Während einer ausgiebigen Brotzeit in einer windgeschützten Stelle konnten wir auf unser Nachtquartier, die Casatihütte blicken. Die Casatihütte, die wir in etwa 30 Minuten Gehzeit erreichten, lag bereits ausserhalb Südtirols in der Provinz Sondrio. Die Hütte war trotz ihrer 3.269 m Meereshöhe erstaunlich gut ausgestattet. Uns wurde das Zimmer Nr. 10, in dem 3 Doppelstockbetten standen, zugewiesen.

Nach einer kurzen Pause führte uns Kurt noch über den Langerferner zu den 3 Kanonen. Es war mittlerweile sehr kalt geworden. Der Weg über den Gletscher, den Kurt mit seinem GPS-Gerät mit 1,24 km eingemessen hatte kam uns dennoch ewig lang vor. Die Kälte zog durch die dicksten Jacken. Die 3 Kanonen, die auf einer Felseninsel positioniert waren, stammten ebenfalls aus dem 1. Weltkrieg. Wir waren erstaunt über den guten Zustand dieses Kriegsgeräts. Es waren kaum Roststellen zu erkennen. Kurt informierte uns, dass Gefangene diese Kanonen aus dem Tal heraufziehen mussten.

Gegen 16.30 Uhr kehrten wir in die Casatihütte zurück. Kurt erzählte uns während des Abends noch sehr viel Kurioses von seinen Bergtouren.