1. Etappe: Fischen/Allgäu - Faschinajoch
Freitag, 16. Juni 2006
Um 6.13 Uhr startete ich in Tautenhain zu meiner 2. Transalp mit dem Auto in Richtung Allgäu. Die Autobahn war frei und gegen 11.00 Uhr erreichte ich den kleinen Ort Fischen im Allgäu in der Nähe von Oberstdorf. Es war sehr schwül bei 26 °C. Die letzten Vorbereitungen waren schnell erledigt und die große Tour konnte beginnen.
Ich fuhr zunächst auf dem Illerdamm, einem herrlichen Radweg, der von vielen Radfahrern, Inlineskatern und Wanderern genutzt wurde. Nach 7 km eröffnete sich bereits die Kulisse von Oberstdorf. Die Stadt lag wunderschön eingebettet in die Bergwelt von Nebelhorn, Seekopf und Schattenberg. Die gleichnamige Schanze, auf der jährlich die Vierschanzentournee beginnt, glitzerten in der Sonne.
Der Weg führte nun hinauf über Jauchen und Kornau zur Österreichischen Grenze. Bereits die Anstrengungen der ersten 200 Höhenmeter trieben mir aufgrund der Schwüle die Schweißperlen ins Gesicht. Die Grenze markierte die Walserschanze, eine Gaststätte mit schönem Blick ins Kleinwalsertal. Die Straße führte nun stets leicht bergauf ins Kleinwalsertal. Ich nahm mir viel Zeit, denn die herrliche Landschaft gab jede Menge Fotomotive.
Über Riezlern, Hirschegg und Mittelberg erreichte ich gegen 13.00 Uhr das Talende in Baad auf 1.250 m. In Baad informierte ich mich in einer Gaststätte, welches für Mountainbiker der beste Weg nach Schoppernau ist. Ich bekam allerdings nur als Antwort, dass es da keinen Weg für derartige Unternehmungen gibt und ich sollte lieber mit den Walserbus zurückfahren.
Das sind ja prächtige Aussichten dachte ich mir. Mir war durchaus bewusst, dass weite Teile der Strecke das Rad geschoben werden musste. Auf der Karte führte aber meines Erachtens ein akzeptabler Weg durch das Bärgunttal. Ich radelte somit den schönen Schotterweg entlang eines Gebirgsbaches bis zur 1.408 m hoch gelegenen Bärgunthütte. Bei einer wohlschmeckenden 1/2 l Buttermilch riet mir die Wirtin über den Hochalppass zu gehen. Dieser ist im Gegensatz zum Üntschenjoch weitgehend schneefrei und weniger gefährlich.
Auf den nächsten 500 Höhenmetern machten mir Steine, Wurzeln, Stufen und teils sehr enge Passagen ziemlich schwer zu schaffen. Viele Wanderer kamen mir von oben entgegen, deren Kommentare von “Hier ist aber der Radweg gerade zu Ende” bis zur Bewunderung das ganze Spektrum abdeckten.
Oberhalb der Baumgrenze erschwerten nun immer häufiger Schneefelder und Sturzbäche mit Schmelzwasser das Weiterkommen. Ich legte genügend Pausen ein, denn die Tour zehrte mächtig an den Kräften. Glücklicherweise hatte ich genügend Wegzehrung dabei. Die Wasserflaschen waren auch gut gefüllt. Nach vielen Schneefeldern erreichte ich schließlich den 1.938 m hochgelegenen Hochalppass. Von dort aus hatte ich einen herrlichen Blick auf dem Widderstein und die umliegende Bergwelt.
Nach einer kurzen Rast und ein paar Fotos begann ich den Abstieg zum Hochtannbergpass. Dort werde ich wieder Asphalt unter mein Rad bekommen bzw. das Rad seiner eigentlichen Bestimmung übergeben. Auch beim Abstieg waren wieder einige Schneefelder und aufgeweichter schlammiger Boden zu überwinden. Der Weg verlief in sehr steilen Serpentinen, so dass ich das Rad oftmals über die schwierigen Abschnitte tragen musste. Der Pass kam nun langsam näher.
Endlich unten angekommen, richtete ich erst einmal meine mittlerweile stark verschmutzte Ausrüstung. Ich setzte mich auf mein Bike und ab ging es in rauschender Geschwindigkeit bergab nach Schoppernau. Zirka 800 Höhenmeter auf 10 km ließ ich mich vom Fahrtwind kühlen und genoss dabei die faszinierende Landschaft des Warthtals, die lediglich von einigen Tunnelfahrten unterbrochen wurde.
An der Bregenzerach, einem recht breiten und wilden Gebirgsfluss, nutzte ich das flache Ufer am Straßenrand um Mensch und Maschine grob zu reinigen. Wenig später erreichte ich Schoppernau, ein schönes Dorf mit einer “Käsestraße”. Viele derartige Geschäfte und Höfe, die Käse und andere Milchprodukte anboten, waren dort anzutreffen. Nach Schoppernau schloss sich nahtlos der Ort Au an. Es gibt wohl keinen kürzeren Ortsnamen als diesen mit nur zwei Buchstaben. Ich befand mich nun auf ca. 800 m Höhe. Der Wegweiser zeigte nach Fontanella 12 km an.
Das Faschinajoch, das zu dieser Gemeinde gehört und mein heutiges Tagesziel war, lag bei knapp 1.500 m Höhe. Es war mittlerweile kurz nach 18.00 Uhr und die 700 Höhenmeter mussten wohl oder übel noch geschafft werden. Bei der Auffahrt setzt nun etwas Regen ein, den ich als angenehme Erfrischung empfand. Die Steigungen wurden immer heftiger und nach den Anstrengungen, der mir der Hochalppass abverlangte, war nicht mehr viel Kondition übrig. Mit Schieben war ich genauso schnell unterwegs als im Sattel.
Ringsum fing es langsam an zu donnern und zu blitzen. Das Gewitter war aber noch einige Kilometer entfernt, so dass ich mir zunächst keine Gedanken machte. An einer kleinen Quelle am Straßenrand tankte ich nochmals meine Wasserflaschen auf. Das Gewitter kam nun immer näher. Ich schaute mich nach Unterstellmöglichkeiten um, aber die Zeit saß mir im Nacken. Der Regen wurde immer stärker, was mich aber weniger störte. Ab Schwende, einen kleinen Ortsteil von Damüls stieg ich wieder aufs Rad, aktivierte alle Kräfte und fuhr mit Tempo 10 bis Kirchdorf. Das Dorf lag wieder etwa 100 m tiefer als die bereits erreichten 1.400 Höhenmeter.
Gegenüber konnte ich bereits das Faschinajoch erkennen. Dorthin führte eine Tunnelgalerie, die mir sehr willkommen war, da ich regengeschützt fahren oder besser gesagt schiebend mein Ziel erreichen konnte. Das Gewitter hatte sich bereits verzogen, nur der Regen prasselte ohne Unterlass auf den Asphalt.
Gegen 19.30 Uhr betrat ich das Hotel Rössle am Faschinajoch. Mit einer heißen Dusche und einem reichlichen Abendmenü mit Hefeweizen belohnte ich mich für die erste Etappe. Es war vielleicht etwas zuviel für den ersten Tag. Mein Fahrradcomputer zeigte 66 km. 2-3 km hat er aufgrund von Nässe nicht gezählt. Der Höhenmesser vermeldete 2.100 Höhenmeter.
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