Nach einer zu Beginn unruhigen Nacht im Matratzenlager aufgrund eines extremen Schnarchers schlief ich dann doch noch ganz gut. Ein beherzter Mitbewohner hatte nach dem Störenfried mehrfach irgendetwas geworfen, bis dann endlich Ruhe einkehrte. Es ist nun 6:30 Uhr und das morgendliche Vorbereiten auf die jeweiligen Touren geht los. Um 7 Uhr gibt es Frühstück. Ich setze mich an den Tisch eines Schweizer Mountainbikers, der natürlich auch den Krimmler Tauern als nächstes Ziel hat. Wir tauschen uns ein wenig über unsere bisherigen Touren aus. Der Mann ist sehr schwer durch seinen Dialekt zu verstehen. Jedenfalls ist er auch kein Herdentier und unternimmt solche Touren auch lieber allein. Wir wünschen uns gegenseitig viel Glück und los geht’s. Er geht die Sache sehr flott an und daher lasse ich ihn ziehen.
Es ist 7:30 Uhr. Der Wegweiser zeigt 4 Stunden bis nach oben an. Die Wolken hängen tief, aber es ist noch trocken. Der Weg führt nun 2 km leicht ansteigend weiter durch das herrliche Tal bis zur Äußeren Unlaßalm. Hier präsentiert sich bereits in greifbarer Nähe der Gletscher. Ab der Alm ist es nun für die nächsten knappen 1.000 Höhenmeter vorbei mit Fahren. Der Weg führt in steilen Serpentinen, die noch von vielen Steinen durchsetzt sind nach oben. Ich nehme mir Zeit, denn diese 1.000 Höhenmeter sind heute die große Herausforderung, die ich nicht zu schnell angehen will.
Es setzt wieder leichter Regen ein. Nach etwa 150 absolvierten Höhenmetern trifft der Weg auf eine breite Schotterstraße, die wahrscheinlich weiter hinten im Tal abzweigt. Ich treffe hier den Schweizer, der den Weg offenbar kannte und sich mühsam nach oben bewegt. Er war um einiges früher gestartet und jetzt haben wir denselben Stand erreicht. Für was so ein abkürzender Wanderweg unbewusst gut ist. Jetzt fahre ich auch wieder ein Stückchen, denn der Weg verläuft nur leicht ansteigend bis zur 1.833m hoch gelegenen Windbachalm. Sie ist nicht bewirtschaftet.
Ab hier geht wirklich nichts mehr mit Fahren. Ich habe sogar manchmal in den Steinfeldern ein paar Probleme den Weg zu finden. Der Schweizer ist schon wieder auf und davon. Der Regen lässt wieder ein wenig nach. Sogar die Sonne lässt sich mal blicken. Neben den Weg rauscht der Windbach ins Tal hinunter. Auf einer Höhe von 2.000m passiere ich eine einzeln stehende große Kiefer. Dieser Anblick ist in dieser Höhe etwas sonderbar, denn sonst wachsen hier nur Niedrighölzer. Zeitweise besteht der Untergrund aus einem weichen Grasteppich und ich habe gleich wieder Lust zu fahren. Lange hält die Freude darüber aber nicht an. Am Abzweig zum Eissee auf 2.100m sieht das schon ganz anders aus. Jetzt setzt auch noch ziemlich ergiebiger Regen ein. Es wird auch immer kälter und langsam unangenehm. Das Thermometer zeigt noch 8 °C. Dies stört die weidenden Pferde auf 2.400m scheinbar nicht. Nun ist erst einmal höchste Zeit, die nassen kalten Sachen zu wechseln.
Eine Regenpause kommt da gerade recht. Es ist gleich viel angenehmer. Der Höhenmesser zeigt 2.500m. Der Krimmler Tauern rückt nun immer näher. Jetzt kann es entspannt weiter gehen. Plötzlich höre ich von den Tauern einige Jagdhornbläser. Dies klingt herrlich und schallt ins ganze Windbachtal. 2 Stücke spielen die Wanderer, die in einer größeren Gruppe unterwegs sind. Ich überwinde noch 2 große Schneefelder und treffe die Musikanten, die nun auf dem Weg nach unten sind. Mir erzählen Sie, dass außer den Jagdhörnern noch Trompeten und eine Tuba gespielt haben. Außerdem staunen sie über meine mit Schnee bestückten Reifen und die offenen Bremsen, die ich wegen dem Geröll und der damit verbundenen starken Verschmutzung gelöst hatte. Kurz nach 11 Uhr stehe ich dann auf dem Krimmler Tauern.
„Berg Heil“ wünsche ich noch einen anderen Wanderer, der dies freundlich erwidert. Der Regen hat nun glücklicherweise aufgehört. Die Sonne blitzt durch die Wolken. Ich sehe die gewaltigen Gletscher unterhalb der Dreiherrnspitze und der Rötspitze. Die Gipfel sind noch in Wolken verhüllt. Jetzt ist Zeit für eine ausgiebige Rast. Ich habe den höchsten Punkt meiner Transalp mit 2.633m und den Alpenhauptkamm erreicht.
Ich genieße die herrlichen Ausblicke und verspeise 2 Salamis und Müsliriegel, die mir hoffentlich die nötige Kraft für den langen Abstieg geben. Nach 2 Selbstauslöserfotos entdecke ich in dem Briefkasten am Gipfelkreuz das Gipfelbuch. Ein Eintrag muss natürlich sein. Gegen 11:45 Uhr beginne ich den Abstieg. Es läuft problemloser als gedacht. Jetzt brauche ich aber meine Bremsen wieder. Dazu reinige ich sorgsam Felgen und Bremsgummis und spanne die Bowdenzüge. Es funktioniert wieder perfekt. In greifbarer Nähe passiere ich die Neugersdorfer Hütte, das alte Zollhaus. Ich bin jetzt in Südtirol und somit auf der Alpensüdseite. Dies merke ich vor allem temperaturmäßig bei jeden Meter Abstieg. Es wird immer wärmer. Es sind mittlerweile auf 2.000m 18°C. Am Pass konnte ich nur 7 °C messen. Die kurzen Sachen sind also wieder gefragt. Zügig gehe ich nach unten.
Der Weg ist gut zum Schieben des Rades geeignet. Zum Fahren ist es für mich noch nichts. Ich komme an der Tauernalm mit sehr vielen Ziegen vorbei. Für eine Einkehr habe ich keinen Bedarf. Ich will so schnell wie möglich nach unten auf etwa 1.700m, wo ich mein Mountainbike wieder relativ normal bewegen kann. Die Ziegen geben aber eine super Fotokulisse vor der gewaltigen Bergwelt ab. Der Blick ins Ahrntal ist jetzt auch frei. Im unteren Wegabschnitt arbeitet ein Bagger an der Wegsanierung.
Erst 500m vor der Adleralm kann ich wieder aufs Rad steigen. Es ist zunächst ein etwas unsicheres Gefühl nach der langen Schiebestrecke von 14 km. In der Adleralm gönne ich mir eine große Buttermilch und eine köstliche Speckknödelsuppe. Einfach lecker. Die nächsten km fliegen nur so weg. Es ist eine flotte Bergabfahrt bis nach Bruneck, so hoffe ich, aber ab St. Johann muss ich dann doch wieder etwas in die Pedalen treten. Ich passiere zügig Kasern, Prettau, St. Jakob und Steinhaus.
Ab und zu mache ich ein paar Fotos in St. Jakob und Steinhaus. Diese Orte gefallen mir besonders gut. Ab Luttach nutze ich einen schönen Radweg nach Bruneck. Einen kurzen Zwischenstopp an der alten Holzbrücke unterhalb der Burg in Sand in Taufers nutze ich zum Auftanken der Trinkflaschen. In Bruneck gelange ich durch die Innenstadt auf die Straße nach Reischach. Jetzt geht es nochmals 100 Höhenmeter nach oben zur Pension Hochgruber direkt neben der Kronplatz-Seilbahn.
Es ist ein schönes Haus. Das Zimmer ist geräumig und hat einen Balkon. In der benachbarten Pizzeria verspeise ich wieder eine Riesenpizza mit Pilzen, Schinken und Mozarella. Dazu gibt’s Apfelsaftschorle. Die Wirtin hat mir zwar einen kostenlosen Saunabesuch in Aussicht gestellt, aber heute will ich mich nach meiner Königsetappe nur noch ausruhen, denn morgen wird es noch mal ziemlich heftig.
Statistik 3. Etappe:
Strecke in km: 65
Bergauf in Hm: 1.134
Bergab in Hm: 1.751
Höchster Pkt. in m: 2.633
Max. Temp. in °C: 35
Min. Temp. in °C: 7