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Transalp Kufstein - Venedig

5. Etappe: Rifugio Cinque Torri – Farra d´ Alpago

Montag, 4. August 2008

Heute Morgen stehe ich schon 5:30 Uhr auf. Ich möchte das berühmte Alpenglühen in den Dolomiten beobachten. In der Hütte schläft noch alles. Ich bin erstaunt, wie fit ich mich nach den gestrigen Anstrengungen fühle. Es ist eine unvergleichliche Morgenstimmung. Der Horizont in Richtung Cortina wird schon langsam rötlich. Es rauscht neben der Hütte ein Bach und unweit von mir schimpft ein Murmeltier pfeifend über den frühmorgendlichen Besucher. Es sind faszinierende Momente, wenn die Sonne langsam aufsteigt und die weißen Berge in ein orangefarbenes Ambiente verzaubert. Diese Momente dauern nur wenige Minuten und ich passe mit meinem Fotoapparat die schönsten Momente ab.

Das Frühstück wird gegen 7:30 Uhr gereicht und fällt gegenüber den Gewohnheiten in Österreich und Südtirol mit Kaffee, Brot und Marmelade etwas karg aus.

8:15 Uhr setze ich mich in Bewegung. Zunächst gilt es zu Fuß die Refugio Averau auf 2.416m zu erklimmen. Dies wird heute meine höchste Stelle sein. Es sind zwar nur 250 Höhenmeter, aber die haben es in sich. Es ist manchmal so steil, das beim Schieben der Lenker über den Kopf reicht. Dafür ist die Landschaft wie in einer Wunderwelt. An einigen exponierten Stellen stehen Hütten. Die Beeindruckenste ist die Refugio Nuvolo auf 2.575m, die ich bereits in der Morgendämmerung sehen konnte. Von hier oben kann ich nun auch 4 der 5 Türme der gleichnamigen Hütte erkennen. Der dominierende Berg ist der Monte Averau.

An der Averau-Hütte angekommen, kann ich nun auf die andere Seite schauen. Hier sehe ich nun die ganz Großen der Dolomiten, den Monte Pelmo mit 3.168m und den Monte Civetta mit 3.220m. Der Abstieg verläuft teilweise unter der Seilbahn, die ihren Betrieb gerade aufgenommen hatte. Es ist bis zur Fedara-Hütte so steil und grobschottrig, dass es auf den meisten Abschnitten keinen Sinn macht, zu fahren. An der Fedara-Hütte auf 2.000m gelange ich auf die vom Giau-Pass kommende Straße nach Selva di Cadore. Ich steige bei Kehre 21 aufs Rad und fahre bei Tempo 50 hinab. Es ist kaum Verkehr, so dass ich die Kehren schön ausfahren kann. Es ist ein herrliches Gefühl. Nur fliegen ist schöner. Natürlich verliere ich wieder 700m an Höhe, aber es sind ja nur noch 2 nennenswerte Bergwertungen auf meiner Transalp zu bewältigen.

Die nächste Herausforderung lässt nicht lange auf sich warten. Von Selva aus fahre ich durch schöne kleine Ortschaften bis nach Pescul. Hier zweigt die Abfahrt zum Monte Fertazza ab. Nach der Beschreibung des Buches „Traumtouren Transalp“ soll dies einer der schönsten Berge überhaupt sein und ein Geheimtipp obendrein. Ich habe extra meine Tour hier entlang geführt. Ich lass mich also überraschen. Der Schotterweg Nr. 569 beginnt recht sanft. Er ist mit Civetta Super Bike ausgewiesen. Na, mal sehen, ob der Weg dem Anspruch gerecht wird. Zumindest ist er feinschottrig und sehr gut zu fahren. Schiebeabschnitte sind dennoch im oberen Bereich zu absolvieren. 600 Höhenmeter sind es bis zum Gipfel. Am Wegesrand stehen manchmal die noch zu absolvierenden km. Das hilft natürlich zur Orientierung. An der Fertazza-Hütte tanke ich noch mal meine Wasserflaschen auf und gehe das letzte 300m hohe Stück an. Es ist ein Grasberg, den ich mit den Gitschberg bei Meransen etwas vergleiche. Als ich aber den Berg in der vollen Größe sehe, weiß ich kurzzeitig nicht, ob ich da hoch muss. Es ist bei 34 °C recht schwül und die Gewitterwolken kreisen um den Civetta. Es ist wieder extrem steil. Aber was soll’s. Es ist die letzte Herausforderung. Den Civetta-Trail kann ich bestimmt wegen dem Gewitter vergessen. Also hinauf! Hunderte Fliegen nerven während des Aufstiegs. Ich mache dabei sehr viele kurze Pausen. Erst im oberen Bereich wird es endlich etwas flacher.

Am Gipfel finde ich eine Traumkulisse vor. In dem Buch wird wirklich nicht zuviel versprochen. Besonders imposant ist der türkisblaue See von Alleghe und der Monte Civetta, der in seiner vollen Größe unmittelbar gegenüber steht. Am Gipfelkreuz treffe ich ein älteres Ehepaar aus Oberbayern oder Österreich, so genau kann ich den Dialekt nicht ausmachen. Es ist aber wieder mal schön, die deutsche Sprache zu hören.

Nach dem obligatorischen Eintrag ins Gipfelbuch und einer ausgiebigen Rast geht die Fahrt hinab. Die ersten 200 Höhenmeter sind allerdings auf schwierigem Gelände nicht fahrbar. Der Rest geht aber sehr gut. Ich gelange nun wieder auf die Straße Nr. 251, die ich bereits bis Pescul gefahren bin und erreiche mit schneller Fahrt und vielen Serpentinen den Ort Pecol.

Das Wetter sieht am Civetta immer noch nicht besser aus, so dass ich kurzerhand entscheide, auf der Straße zu bleiben. Sie geht stets bergab und ist kaum befahren. Ich muss kilometerweit überhaupt nicht in die Pedalen treten. Das landschaftlich reizvolle Tal, das ich so flott durchfahre, heißt Valdi Zoldo und liegt in der autonomen Provinz Belluno. Ich passiere rasend schnell die Ortschaften Fusine, Forno, Soffranco und Igne bis Longarone. Jetzt muss ich allerdings die Hauptstraße bis zum Lago di Santa Croce nutzen. Es gibt keine wirkliche Alternative. Es sind etwa 20 km in schneller Bergabfahrt. Da stört der Verkehr weniger.

Nach einigen Suchen in Farra d´ Alpago finde ich schließlich das gebuchte Hotel „Albergo alla Spiaggia“. Es liegt nur wenige Meter vom Strand entfernt. Das Rad hieve ich auf mein Zimmer, da mir die Unterstellmöglichkeiten nicht sonderlich vertrauenswürdig vorkommen. Vom Lago di Santa Croce hätte ich mir etwas mehr erhofft. Es ist ein grober Steinstrand, der meines Erachtens nicht für längere Zeit zum Verweilen einlädt. Hier sind vor allem Surfer zu beobachten. Das Wasser ist badewannenwarm. Nach einem kleinen Einkauf im A+O Laden ist in dem verträumten Städtchen Ausruhen angesagt. Morgen geht es viele viele Kilometer bis zur Adria. Ein Hotel habe ich dort nicht gebucht. Ich werde schon eine Übernachtung finden. Den Alpen sage ich morgen erst einmal ade.
Statistik 5. Etappe:
Strecke in km: 83
Bergauf in Hm: 1.300
Bergab in Hm: 2.958
Höchster Pkt. in m: 2.413
Max. Temp. in °C: 35
Min. Temp. in °C: 17