Home > Radfahren > Alpenüberquerungen > Transalp Mittenwald - Riva > 3. Etappe: Kappl - Sesvenna

Transalp Mittenwald - Riva

3. Etappe: Kappl - Sesvenna Hütte

Sonntag, 24. August 2003

Nach einer unruhigen Nacht klingelte um 6 Uhr der Wecker an meinem Handy. Ich wollte zu meiner Königsetappe möglichst früh starten. 2.700 Höhenmeter standen auf dem Programm.

Das Frühstück wollte heute nicht so recht schmecken. Von dem reichlichen Buffet nahm ich mir deshalb etwas mit als Proviant. 16 Euro zahlte ich der noch ziemlich verschlafenen Wirtin und schon ging es kurz nach 7 Uhr in Richtung Ischgl. In einer reichlichen halben Stunde hatte ich diesen Weg auf der kaum befahrenen Straße zurückgelegt. Aus manchen Kirchen hörte ich bereits Orgelmusik.

Nun begann die Auffahrt auf einem steilen Mountainbikeweg in Richtung Heidelberger Hütte. Bis dort hin waren es schon mal 900 Höhenmeter. Die ersten 100 Hm hatte ich schon bis Ischgl in den Beinen. Ich ging die Sache zunächst langsam an und schob auch mein Bike an besonders steilen Passagen. Um 9 Uhr war ich bereits an der Gampenalpe, einer Seilbahn-Zwischenstation. Ich traf hier eine große Gruppe Mountainbiker, die aufgrund der Vielzahl der Teilnehmer nicht sehr schnell voran kam. Weiter oben im Fimbatal begegneten mir immer mehr Leute, die mit dem MTB unterwegs waren und offenbar dasselbe Ziel wie ich hatten.

Auf dem weiteren Weg nach oben markierte ein großes Kupferschild mit der Aufschrift "Schweiz" die Grenze. Um 10.30 Uhr war ich schließlich an der Heidelberger Hütte in reichlich 2.200 m Höhe. Dort gönnte ich mir eine große Apfelsaftschorle für 5 Fränkli, verzehrte mein zweites Frühstück und tankte meine Wasserflaschen wieder auf. Mit Schieben und teilweise Tragen ginge es nun weiter zum Fimbapass auf 2.608 m. Mich begleiteten bis dorthin 3 Biker aus dem Berner Oberland. 1 1/4 Stunde war für diesen Weg laut Hinweisschild angegeben. Wir waren allerdings in 45 Minuten oben.

Nach einigen Fotos am Pass setzten wir die Tour in Richtung Engadin fort. Bis auf eine Höhe von 1.800 m konnte man das Rad fast nur schieben. Nur in einigen wenigen kurzen Passagen konnte man fahren. Von dort aus ging es dann aber auf einem gut planierten Schotterweg bis nach Vna. Ab der Ortschaft Vna konnte ich die Abfahrt bis nach Ramosch auf den großzügig angelegten Serpentinen in rasanter Weise fortsetzen. Der kurze Wegabschnitt zwischen Ramosch und Sur En, dem Ausgangspunkt des Uina Tals war in wenigen Minuten zurückgelegt.

Auf dem Campingplatz in Sur En stärkte ich mich nochmal mit einem Eisbecher und einer großen Apfelsaftschorle. Da die Sonne nach wie vor erbarmungslos brannte, besorgte ich mir erst einmal ein Sonnencreme, die ich ja aus Gewichtsgründen zu Hause ließ.

Nun konnte die Fahrt ins Uina Tal beginnen. 14.15 Uhr startete ich in Sur En. Rund 1.100 Höhenmeter waren an diesem Nachmittag zu bewältigen. 4 3/4 Stunden zeigte der Wegweiser zur Sesvenna-Hütte, meinem nächsten Quartier. Ich begann die Fahrt durch eines der schönsten Schweizer Täler gemütlich und schob das Rad an den besonders steilen Abschnitten. Die Hitze war an diesem Tag fast unerträglich. Das Thermometer zeigte 33 °C. Ich konnte meinen Flüssigkeitsbedarf kaum decken. Die Höhenmeter wollten auch nicht so recht zunehmen. Von oben kamen mir ständig Wanderer und Mountainbiker entgegen. Um 16 Uhr erreichte ich schließlich die Uina Detaind, eine urige Hütte mit vielen Haustieren. Ich trank eine herzhaft schmeckende Buttermilch und traf so einige Weggefährten, die auch noch zur Sesvennahütte wollten. Nach weiteren 150 Höhenmetern begann die berühmte Uina Schlucht. Ich war fasziniert von diesem Landschaftsgebilde. Auf einer Strecke von ca. 500 Metern schlängelte sich ein in Fels gehauener 1m breiter Pfad durch das Gestein. Rechts ging es senkrecht in die Tiefe. Glücklicherweise war an den meisten gefährlichen Stellen eine Seilsicherung angebracht. Mit der linken Hand am Seil führte ich mein Bike vorsichtig mit der rechten Hand entlang der Schlucht. Fahren kann hier beim besten Willen niemand. Ich fotografierte diese wirkliche Sehenswürdigkeit mehrmals. Dabei stürzte meine Radbrille leider in die Tiefe. Ich begegnete dort einen holländischen Ehepaar, die überbhaupt nicht verstanden, wie man hier mit einem Fahrrad hinauf kommen kann.

Nach der Schlucht ging nun die Landschaft in ein breites Tal in Richtung italienischer Grenze über. Meine Kondition und Konzentration war nicht mehr die beste, so das ich den restlichen Weg bis zum Schlinigpass das Rad meistens schob. Die wenigen verbleibenden Höhenmeter zogen sich noch endlos lang dahin. Schließlich erreichte ich die Landesgrenze. Diese markierte lediglich ein Grenzstein und ein hölzernes Drehkreuz. Kurz darauf habe ich fast unbemerkt den Schlinigpass überquert.

Von weitem grüßte der Ortler mit seinen knapp 4.000 m Höhe in voller Pracht. 18.15 Uhr erreichte ich die Sesvennahütte. Dort wurde ich gleich mit einem kräftigen Schluck Obstler begrüßt. Das Abendessen wurde auch bald serviert. Zuvor wusch ich mich und mein Radtrikot in einem großen Waschraum, da die Dusche dort oben hoffnungslos überfüllt war. Über 70 Wanderer und Biker hatten sich einquartiert. Der Abend endete bei einer geselligen Runde, bei der die eine oder andere Radstorys zum besten gegeben wurde.