2. Etappe: Imst - Kappl
Samstag, 23. August 2003
Nach den Anstrengungen des ersten Tages und der ungewohnten Belastung schlief ich besonders gut. Um halb 8 gab es ein reichliches Frühstück mit selbstgemachter Heidelbeermarmelade und Honig sowie Wurst und Käse. Die anderen Gäste aus Holland und Dänemark waren auch bereits zum Frühstück erschienen.
8.15 Uhr brach ich auf. Die nette Wirtin wünschte mir noch eine gute Fahrt und ab gings. Auch an diesem Tag hatte ich meine anfänglichen Orientierungsproblemchen. Nach ca. 10 verschwendeten km fuhr ich dann nach Imsterberg und weiter zur Venetalm. 1.200 Höhenmeter waren in vielen Kehren auf Schotter und Asphalt zu bewältigen. Unten wurde auf einem Schild die Tour als schwer, zwischen 12 und 20 Prozent Steigung, gewertert. An den vielen besonders steilen Passagen stieg ich ab und schob das Rad einige Meter. Um 11.30 Uhr war ich, früher als ursprünglich erwartet, oben. Der Wasserverbrauch war enorm. Meine beiden Trinkflaschen reichten gerade so bis zur Alm. Ich war erstaunlicherweise der einzigste Gast auf der Venetalm. Den Wanderern war es vielleicht zu heiß bei 30 °C. Ich bestellte erst einmal 1 l Buttermilch und genoss die traumhafte Aussichte zum Ötztal, Pitztal und Gurgltal. Hier oben konnte auch mein völlig durchnässtes Trikot in der Sonne trocknen.
Die Abfahrt führte über sehr groben Schotter. Ich dachte noch, hoffentlich stürze ich nicht in diesem Gelände. Da war es auch schon passiert. Ich flog an einer ziemlich tiefen Querrinne über den Lenker. Ich konnte mich zwar mit den Händen abfangen, schlug aber trotzdem mit dem Knien und dem Kinn auf. Ich brauchte ein bisschen Zeit, um das Ganze zu verarbeiten und alles wieder zu richten. Auf den ersten Blick schien alles nur nach äußerlichen Blessuren aus. Das Rad war noch in Ordnung. Ich fuhr nun vorsichtig weiter. Nach weiteren 300 Höhenmetern talwärts hörte ich plötzlich ein leichtes Zischen und bemerkte sofort einen Platten am Vorderrad. Durch die ständigen Bremsvorgänge erhitzte sich die Felge auf solch hohe Temperaturen, dass das Ventil aus dem Schlauch geschweißt wurde.
Der Schaden war zwar schnell behoben, doch jetzt hatte ich keinen Ersatzschlauch mehr. Der defekte Schlauch war beim besten Willen nicht mehr reparabel. Ich dachte mit Schrecken daran, dass heute Samstag war und in Österreich wohl kaum ein Fahrradhändler noch offen hat. Der Weg führte nun weiter über Larchach, Bichl, Piller zur Pillerhöhe wieder auf 1.600 m Höhe. Das waren insgesamt wiederum 400 Höhenmeter, die zu bewältigen waren. Auf Pillerhöhe hatte ich wieder einen traumhaften Ausblick auf das Örtchen Fließ und das obere Inntal. Von der Pillerhöhe ging es in rasanter Abfahrt 700 Hm hinab ins Inntal. Da man ja bekanntlich aus Schaden klug wird, machte ich auf der Abfahrt 2x eine kleine Pause, um meine Felgen abkühlen zu lassen.
In Landeck war es wie vermutet Fehlanzeige mit Sportgeschäften. Die Läden waren spätestens um 12 Uhr geschlossen. Ich musste nun der Haltbarkeit des Materials vertrauen. So fuhr ich weiter durch das Paznauntal bis nach Kappl. In einer schönen Eisdiele in See gönnte ich mir noch einen großen Erdbeerbecher und tankte meine Trinkflaschen auf.
Der Ort Kappl lag etwas abseits der Straße an einem Berghang, so dass ich die letzten Meter zum „Haus Mahren“ noch mal mächtig in die Pedalen treten musste. Gegen 18 Uhr traf ich dort ein und versorgte erst einmal meine Sturzwunden. Die Pension war ganz nett. Ich war allerdings der einzigste Gast, ebenso beim Abendessen in der Pizzaria. I
m großen und ganzen machte der Ort den Eindruck, als wenn im Sommer hier nicht sehr viel los wäre. In den Prospekten waren auch meist nur Winterlandschaften abgebildet. Bei der Suche nach Sportgeschäften, die es hier reichlich gab, wurde ich bereits telefonisch bei der Frage nach einem Ersatzschlauch abgewiesen. Ich musste nun weiterhin auf mein vorhandenes Material vertrauen.
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