Wir hatten es lange geplant und heute war der Tag gekommen, um die Zugspitze, den höchsten Berg Deutschlands zu besteigen.
Wir brachen sehr früh auf und trafen uns bereits 6 Uhr mit unseren Bergführer Mark am Kirchplatz in Ehrwald. Es war noch ziemlich dunkel. Trotzdem musste ein Startfoto vor der Kirche sein. 2.100 Höhenmeter erwarteten uns auf den Spuren des Erstbesteigers Josph Naus, der fast auf den Tag genau vor 187 Jahren erstmals den Gipfel der Zugspitze betrat.
Wir verliesen den Ort auf sanften Wiesenwegen in Richtung Ehrwalder Alm. Es duftete nach frischen Heu. Die Almkühe bimmelten mit ihren Glocken in der Morgendämmerung. Wir passierten die Gangelhofer Alm und erreichten wenig später die Ehrwalder Alm. Reichlich 1 Stunde hatten wir für die ersten 500 Höhenmeter benötigt. Claudia stempelte das Wanderheft und nach einer kurzen Trinkpause ging es weiter auf einer breiten Schotterstraße vorbei am Gasthof Alpenglühen. Im Tal hörten wir die Glocken der Ehrwalder Kirche. Es war 7 Uhr. Wir passierten nun eine Baustelle einer neuen Liftanlage, die noch vor dem Winter in Betrieb gehen sollte.
Der mittlerweile immer schmaler werdende Weg schlängelte sich nun den Hang durch Wiesen und Nadelwälder bis zur Hochfelder Alm empor. Dort begegneten uns ein paar Ziegen. Mark erzählte uns, dass diese munteren Gesellen gleich mal zu den Gästen auf den Tisch springen und nicht verzehrtes Essen vom Teller schlecken. Dies konnten wir an diesem Morgen natürlich nicht beobachten. Die Tiere waren aber sehr zutraulich und begleiteten uns eine ganze Weile bergauf.
Die Sonne ging nun langsam über dem Leutaschtal auf. Es war eine herrliche Morgenstimmung. Auf etwa 1.900 m Höhe machte uns Mark auf einige Gämsen aufmerksam, die wir ca. 100 Meter entfernt auf einem Schotterfeld beobachten konnten. Der Fotozoom reichte geradeso für ein akzeptables Foto aus.
Wenig später erreichten wir das Feldernjöchl auf 2.045m. Hier taten sich tiefe Abgründe in Richtung Leutasch auf. Nach einer kurzen Rast führte der Weg weiter in Richtung Gatterl. Auf dem Weg dorthin begegneten uns einige Wanderer, die in der Knorr-Hütte übernachtet hatten. Das Gatterl, was zugleich die Grenze zwischen Österreich und Deutschland darstellt, war ein kurzer kettengesicherter Klettersteig.
Wir waren nun auf deutscher Seite der Zugspitzbesteigung. Das Wetter und die Landschaft schlugen hinter diesem Joch völlig um. Nebel und grobsteinige Wege begleiteten uns einige Zeit. Die Knorr-Hütte auf der anderen Seite des Tals war nur mal für wenige Augenblicke zu sehen. Durch den recht starken Wind wechselte das Wetter ständig. Die Landschaft glich einer endlosen Steinwüste mit sehr geringer Vegetation. Der Verlauf des Weges war ein ständiges Auf und Ab auf einem Niveau von etwa 2.000 Metern.Einige Schafe waren im dichten Nebel durch ihre Glöckchen zu hören.
Das alte Zollhaus, von dem nur noch die Grundmauern übrig waren, wurde vor ein paar Jahren von einer Lawine in die Tiefe gerissen. Heute wird alljährlich an dieser Stelle eine Bergmesse gefeiert.
Wenig später erreichten wir endlich die Knorr-Hütte. Es war kurz nach 10 Uhr und Zeit für eine ausgiebige Rast. Mark zeigte uns dort den Jubiläumsgrat, eine Alternative für extremere Zugspitzbesteiger. Wir folgten den Wegweisern zu Sonnalpin.
Es schloss sich nun ein zermürbend und scheinbar endlos langer feinschotteriger serpentinartiger Weg auf den nächsten 600 Höhenmetern an. Von weitem konnten wir die Gletscherbahnstation Sonnalpin erkennen, die aber einfach nicht so recht näher rücken wollte. Steine, Geröll, ab und zu ein kleines Schneefeld und ein paar Schafe, die nach den wenigen Grasflecken suchten charakterisierten das weitere Landschaftsbild.
Wir ließen auf etwa 2.550m linkerhand des Weges Sonnalpin liegen. Jetzt erwarteten uns die schwierigsten Passagen des gesamten Aufstiegs. Ein etwa 100 m hohes Schotterfeld war nun zu überwinden, welches nochmal alle Kraft von uns abverlangte. Hier kamen besonders unsere Teleskopstöcke zum Einsatz. Sie waren eine wichtige Stütze um nicht zu sehr abzurutschen. Wir kämpften uns Meter für Meter in diesem unwirtlichen Gelände empor.
Unten konnten wir neben der Seilbahnstation die Gletscherkapelle erkennen. Sie wurde vom damaligen Kardinal Joseph Ratzinger eingeweiht. Der einzige deutsche Gletscher war leider schon sehr zurück gegangen. Man versucht hier mit Folienabdeckungen den Schmelzvorgang etwas aufzuhalten. Wer weiß, wie lange es hier noch einen Gletscher gibt. Neben unseren schwierigen Aufstieg steht das Schneefernerhaus, das nach einem Brand heute noch als Schulungsgebäude genutzt wird.
Wir waren erst einmal froh, diesen unangenehmen Schotteranstieg so gut überwunden zu haben. Jetzt begann der Gipfelaufbau. Wir verstauten unsere Stöcke im Rucksack, denn diese waren bei diesem seilgesicherten Klettersteig eher hinderlich. Wir zogen uns nun Schritt für Schritt an den Seilen empor. Es waren bis zum Gipfel noch etwa 250 Höhenmeter zu überwinden. Der Wind wurde immer stärker. Ab und zu zeigten sich die Gebäude des Zugspitzgipfels. Meist waren sie aber im Nebel verhüllt.
Am Gipfelgrat stürmte es nochmals mächtig, so dass wir uns an den Seilen besonders gut fest halten mussten. Beiderseits des Grates ging es sehr tief nach unten. Links konnten wir den Klettersteig von der Wiener Neustädter Hütte erkennen, auch eine Möglichkeit auf die Zugspitze zu gelangen.
Um 13.15 Uhr erreichten wir schließlich den Gipfel bei stürmischen und nebligen Wetter. Die dicken Jacken waren jetzt gefragt. Der schmale Grat zum Gipfelkreuz war nochmal eine kleine Herausforderung. Die Aussicht war leider gleich Null.
Nach ein paar Gipfelfotos überreichte uns Mark den Joseph Naus Award in der Bergstation der Ehrwalder Zugspitzbahn.
In nur 8 Minuten gelangten wir mit der Bahn wieder an unserem Ausgangsort. Der Aufstieg hat dagegen fast 8 Stunden gedauert.